Vorwürfe gegen Wirt

Nach einem Restaurantbesuch und einem Gottesdienst haben sich Dutzende Menschen infiziert. Wurden Regeln missachtet?
  • Dem Inhaber dieses Restaurants im niedersächsischen Landkreis Leer droht nach einer Befragung der Gäste Ärger. Foto: Lars-Josef Klemmer/dpa
Sicherheitsabstand beim Restaurantbesuch und Desinfektionsspender im Gottesdienst: In der Theorie klingen die Verhaltensregeln nach den Corona-Lockerungen klar und eindeutig. Doch wie werden sie in der Praxis umgesetzt? Nach zwei Zusammenkünften haben sich in Hessen und Niedersachsen Dutzende Menschen infiziert: im Kreis Leer nach dem Besuch einer Gaststätte, in Frankfurt am Main nach einem Gottesdienst.

Nach Informationen des Frankfurter Gesundheitsamtes infizierten sich allein in der Main-Metropole mehr als 107 Menschen nach dem Gottesdienst in einer Kirchengemeinde der Baptisten mit dem Coronavirus. Im benachbarten Hanau hätten sich nach dem Gottesdienst vor rund zwei Wochen 16 Menschen infiziert, teilte die Stadt mit. Der Wetteraukreis meldete am Sonntag zudem weitere 26 positive Covid-19-Fälle im Zusammenhang mit der Zusammenkunft am 10. Mai.

Die meisten hätten sich nicht bei sondern nach dem Gottesdienst zu Hause angesteckt, sagte Frankfurts Amtsleiter René Gottschalk zu den Fällen in seiner Stadt. „Die weitaus meisten sind nicht sonderlich krank. Nach unserem Kenntnisstand ist auch nur eine Person in einem Krankenhaus.“ Die Einzelfälle würden nachverfolgt. „Wir haben das gut im Griff.“ Wie es den 16 Infizierten in Hanau gehe, wisse er nicht, sagte Daniel Freimuth vom Krisenstab der Stadt am Sonntag.

Wie viele Besucher zu dem Gottesdienst am 10. Mai gekommen waren, war zunächst nicht bekannt. Es seien aber alle Regeln eingehalten worden, hieß es von der Gemeinde. Es habe Desinfektionsmittel gegeben, der vorgeschriebene Abstand sei beachtet worden.

Ebenfalls am Wochenende war bekannt geworden, dass sich in Niedersachsen elf Menschen im Zusammenhang mit dem Besuch eines Restaurants am 15. Mai im Landkreis Leer infiziert hatten. Eine weitere Person aus einem anderen Landkreis habe sich in der Folge angesteckt. Für mehr als 100 Menschen wurde bis Sonntagmittag häusliche Quarantäne angeordnet. Die Testergebnisse mehrerer Personen aus dieser Gruppe, die Symptome zeigten, standen dem Landkreis zufolge noch aus. Der Kreis prüft, ob es in dem Restaurant Verstöße gegen die Corona-Auflagen gab.

Der Inhaber des betroffenen Restaurants in Moormerland gab an, er wisse nicht, ob sich das Virus beim Eröffnungsabend seines Lokals verbreitet habe. Doch Zeugen erheben Vorwürfe. Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) sieht bisher keine Notwendigkeit, vom Lockerungskurs abzurücken. „Nach ersten Erkenntnissen ist das Infektionsgeschehen nicht auf einen normalen Restaurantbesuch zurückzuführen, stattdessen wurde dort offenbar eine private Party gefeiert“, sagte die SPD-Politikerin am Wochenende.

Wie Landrat Matthias Groote der „Bild“-Zeitung sagte, habe eine Befragung der Gäste des Restaurants ergeben, dass möglicherweise gegen Corona-Regeln verstoßen worden sei. Damit droht dem Gastronom nach dem Corona-Bußgeldkatalog jetzt eine Geldstrafe von bis zu 25 000 Euro. Der Hotel- und Gaststättenverband Niedersachsen forderte den Kreis Leer auf, für Klarheit zu sorgen.

In Berlin sieht man das Infektionsrisiko für Mitarbeiter und Gäste in der Gastronomie derweil mit Sorge. „Darum ist es gut, dass wir am Dienstag im Senat ein Hygienekonzept für die Gastronomie beraten“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci. dpa
© Südwest Presse 25.05.2020 07:45
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