Härter als erwartet

Weil Millionen Menschen in Kurzarbeit sind, brechen die Einnahmen der Kirchen ein. Deutliche Einsparungen drohen.
Die Kirchen in Deutschland stehen vor einer finanziellen Zäsur. Mit der Corona-Krise und dem konjunkturellen Einbruch brechen auch Kirchen erhebliche Steuer-Einnahmen weg. Verstärkt wird dies durch Kurzarbeit für mehr als 10 Millionen Beschäftigte in Deutschland. Denn Kurzarbeitergeld wird nicht besteuert. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sieht einen „schmerzlichen Prozess“ auf die Kirchen zukommen, auch wenn seriöse Berechnungen noch fehlen.

Doch die Diözesen und Landeskirchen sind alarmiert. Strukturdebatten nehmen Fahrt auf. „Die Corona-Pandemie zwingt uns, in einen Prozess einzutreten, bei dem wir abwägen müssen, was wir als Kirche finanziell künftig noch leisten können und wovon wir uns verabschieden müssen“, betont Stefan Förner für das Erzbistum Berlin. Dass magere Zeiten auf die Kirchen zukommen, hatte ihnen der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen in einer von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Studie bereits vor einem Jahr vorgerechnet. Bis zum Jahr 2060 würden die Einnahmen um 50 Prozent sinken, hieß es da.

Der Einbruch kommt nun schneller und womöglich auch härter als erwartet. Die katholischen Bistümer Mainz, Freiburg und Würzburg haben bereits Haushaltssperren eingerichtet.

Kein Personalabbau

Davon nimmt man in der Diözese Rottenburg-Stuttgart noch Abstand. „Durch die vorsichtige Haushaltsplanung und -umsetzung können wir die Zeit bis zu Entscheidungen von Diözesanleitung und Diözesanrat haushalterisch überbrücken“, teilte die Pressestelle des Bistums mit. Mitarbeitende müssten aktuell weder Kurzarbeit oder betriebsbedingte Kündigung befürchten. Auch Entscheidungen über eine Haushalts- und Investitionssperre stehen derzeit nicht an.

Anders agiert die Evangelische Landeskirche in Württemberg. Dort geht man von einem Rückgang der Kirchensteuern um 16 Prozent aus. „Kurzfristig haben wir ein Ausschreibungs- und Besetzungsmoratorium eingeführt sowie einen Bewilligungsvorbehalt für größere Ausgaben“, teilte Oliver Hoesch, Sprecher der Landeskirche mit. Ein Personalabbau sei nicht geplant. Angesichts eines strukturellen Wandels, der mit sinkenden Mitgliederzahlen verbunden ist, müsse jedoch eine stärkere Priorisierung der Aufgaben und eine intensivere Kooperation mit anderen Partnern angestrebt werden.

Die Kirchensteuer ist die größte Einnahmequelle der Kirchen. Katholiken zahlten 2018 knapp 6,5 Milliarden Euro, Protestanten rund 5,8 Milliarden Euro. Diese Einnahme ist direkt mit der Einkommenssteuer verbunden. In Bayern und Baden-Württemberg liegt der Kirchensteuersatz bei acht Prozent, in den übrigen Bundesländern bei neun Prozent.

Elisabeth Zoll
© Südwest Presse 25.05.2020 07:45
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