Gerüstet für das große Gipfeltreffen

Am Dienstag kommt es in Dortmund zum Hit BVB gegen FC Bayern. Alle sind heiß, nur WM-Held Mario Götze spielt keine Rolle mehr.
  • In dieser Szene kommt Thomas Müller (rechts) gegen Frankfurts Torhüter Kevin Trapp zu spät. Mit seinem Tor zum 2:0 und einem Assist stellte er dennoch die Weichen zum 5:2-Erfolg. Foto: Andreas Gebert
  • Mario Götze. Foto: Bernd Thissen Foto: Bernd Thissen
  • Bye, bye Borussia. Mario Götze wird Dortmund zum Saisonende verlassen. Foto: Bernd Thissen
Thomas Müller brachte die Lage auf den Punkt. „Wir marschieren, Dortmund marschiert – da können wir uns freuen auf Dienstag“, sagte der Vorlagen-König des FC Bayern München vor dem mit Spannung erwarteten Bundesliga-Gipfel beim BVB (Dienstag, 18.30 Uhr/Sky). Die formstarke Borussia plant vor ihrer „grauen Wand“ den Meister-Sturz, Müllers mächtige Münchner hoffen ihrerseits auf eine Vorentscheidung im Titelkampf – und die ganze vom Fußball entwöhnte Welt wird zusehen.

„Das ist ein Spiel, da werden wir zu hundert Prozent da sein“, sagte Bayern-Profi Leon Goretzka in einer Grüßbotschaft an den BVB. Bei vier Punkten Vorsprung wird der deutsche Serienmeister auch nach dem Topspiel am kommenden Dienstag (18.30 Uhr/Sky) weiterhin Erster sein. Fragt sich nur, wie groß der Vorsprung sein wird: Sieben Punkte wären es bei einem Sieg des FC Bayern, nur noch einer bei einem BVB-Triumph.

Flick: Position der Stärke

In München nahm nicht nur Stadionrückkehrer Franz Beckenbauer erleichtert zur Kenntnis, dass sich die Bayern trotz kurzer Schwächephase gegen Eintracht Frankfurt „in sehr starker Verfassung“ präsentierten. „Wir haben jetzt eine Position der Stärke“, meinte Trainer Hansi Flick nach dem turbulenten 5:2 (2:0).

Die Dortmunder verzichteten fürs erste auf Kampfansagen. Dabei war das weitgehend souveräne 2:0 (1:0) beim VfL Wolfsburg schon der neunte Sieg in den jüngsten zehn Liga-Spielen für Schwarz-Gelb. Allerdings fällt der Borussia ein Teil ihrer Achse weg. Kapitän Marco Reus ist seit Februar verletzt. Schlüsselspieler Axel Witsel fehlte erneut. Jadon Sancho saß wegen Trainingsrückstandes in den beiden Spielen seit dem Re-Start jeweils mehr als eine Stunde auf der Ersatzbank. Mats Hummels musste in Wolfsburg wegen Achillessehnen-Beschwerden in der zweiten Halbzeit passen. Die Frage lautet nun: Reicht es trotz dieses personellen Handicaps für einen Sieg gegen die Bayern?

Manuel Akanji glaubt: Ja. „Der Schlüssel ist, dass die gesamte Mannschaft gut verteidigt. Wir lassen kaum Chancen zu“, sagt der Schweizer Verteidiger. „Und wir wissen, dass wir immer ein Tor machen können.“ Hinzu kommt, dass der Bundesliga-Hit ungeahnte Kräfte freisetzt. Hummels äußerte sich am Sonntag zuversichtlich, am Dienstag gegen sein Ex-Team mitwirken zu können. Auch eine Rückkehr von Witsel und ein Startelf-Comeback von Sancho halten die Dortmunder für möglich.

Bei den Bayern stehen hinter dem Einsatz von Thiago und Jerome Boateng (jeweils muskuläre Probleme) kleinere Fragezeichen. Zudem ärgerte sich Trainer Hansi Flick über den „kleinen Wackler“ kurz nach der Halbzeit, der zu den Frankfurter Toren durch Standard-Schreck Martin Hinteregger führten. „Bei der Qualität, die wir haben, wünsche ich mir, dass wir mehr Ballbesitz haben. Da können und müssen wir uns steigern“, so Flick.

Dass Dortmund ohne seine mehr als 80 000 fanatischen Anhänger auskommen muss, sei kein Vorteil für den FC Bayern, behauptet Müller. „Es wäre uns lieber, wenn das Stadion kochen würde.“

Einer, der bei beiden Vereinen schon am Ball war, wird am Dienstag keine Hauptrolle spielen: WM-Held Mario Götze. „Wir sind übereingekommen, dass wir die Zusammenarbeit nach der Saison nicht fortsetzen werden“, sagte Borussias Sportdirektor Michael Zorc vor der Partie beim VfL Wolfsburg.

Die Last des WM-Siegtores im Finale gegen Argentinien am 13. Juli 2014 scheint den sensiblen Instinktfußballer zu erdrücken. Bei den Bayern konnte er sich nach dem WM-Märchen nicht durchsetzen. Auch die Rückkehr zu Borussia Dortmund brachte seine Karriere nicht wieder in die Spur. Trotz der vielen angeschlagenen Mitspieler und der neuen Möglichkeit von fünf Wechseln spielt Götze bei Trainer Lucien Favre kaum noch eine Rolle.

Mit bald 28 Jahren ist Götze eigentlich im besten Fußballer-Alter. Doch in der Bundesliga dürfte der gebürtige Memminger auch wegen seines hohen Gehaltes nur schwer zu vermitteln sein. Lediglich Hertha BSC käme in Frage. Wahrscheinlicher dürfte ein Wechsel ins Ausland sein. Die für ihre Robustheit bekannte Premier League dürfte Götze nicht behagen. Als heißer Kandidat gilt der AS Rom. dpa/sid/gek
© Südwest Presse 25.05.2020 07:45
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