Ärger wegen „Luftnummer“

Präsident Gianni Infantino ist erneut in die Schlagzeilen geraten – mal wieder geht es um die Nutzung eines Privatjets.
  • Gianni Infantino, Präsident der Fifa, fliegt ständig um die Welt. Das bringt sein Job mit sich. Er selbst versprach, die Kosten so gering wie möglich zu halten. Foto: Gianni Infantino, Präsident der FIFA, fliegt ständig um die Welt. Das bringt sein Job mit sich. Er selbst versprach, die Kosten so gering wie möglich zu halten. dpa/Sebastian Gollnow
Alles habe den „Regeln und Vorschriften“ entsprochen. Natürlich, was sonst. Eine andere Stellungnahme des Fußball-Weltverbands Fifa zu den Vorwürfen in Richtung seines Präsidenten Gianni Infantino hätte auch überrascht. Dabei ist die Privatjet-Episode, von welcher die Süddeutsche Zeitung (SZ) in ihrer Wochenendausgabe berichtet, Wasser auf die Mühlen derer, die immer wieder heftige Kritik an der Amtsführung des 50 Jahre alten Schweizers üben.

Laut SZ ließ Infantino als Begründung für eine teure Rückreise per Privatflugzeug aus Surinam ein Treffen mit Uefa-Präsident Aleksander Ceferin angeben – das angeblich aber frei erfunden war. Dies gehe aus einem internen Mailverkehr hervor. Demnach buchten Infantino und seine Delegation am Ende einer Reise durch amerikanische Staaten im April 2017 kurzfristig einen Privatjet für den Rückflug in die Schweiz, weil sich die gebuchten Linienflüge verschoben hätten.

Die Extrakosten sollen im sechsstelligen Bereich gelegen haben. Beim formal unabhängigen Audit- und Compliance-Komitee sei die Buchung mit einem wichtigen Treffen mit Ceferin am Folgetag in Nyon begründet worden. Nach SZ-Recherchen weilte der Chef der Europäischen Fußball-Union (Uefa) an jenem Tag aber in Armenien.

Es ist nicht das erste Mal, dass Infantino wegen einer „Luftnummer“ heftigen Gegenwind verspürt. Schon kurz nach seinem Amtsantritt im Jahr 2016 hatte der Fifa-Boss für Schlagzeilen gesorgt, weil er für einen Besuch beim Papst einen Privatflieger gebucht hatte. Auch die Reise im Jet eines russischen Oligarchen hatte nicht unbedingt das Vertrauen in die Integrität Infantinos geschürt. Konsequenzen blieben jedoch aus.

Infantino stand in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik. Dem Nachfolger von Joseph S. Blatter wird eine ähnlich intransparente Amtsführung wie zu Zeiten seines Vorgängers zur Last gelegt. Erst vor wenigen Tagen forderte der ehemalige Uefa-Präsident Michel Platini seinen früheren Generalsekretär zum Rücktritt vom Posten des Fifa-Chefs auf.

Ein schlechtes Licht auf Infantino wirft auch die am Mittwoch beschlossene Eröffnung eines Amtsenthebungsverfahren gegen den Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber (54). In die Justizaffäre um den Chefankläger der Berner Bundesanwaltschaft ist Infantino verwickelt.

Es geht um drei nicht protokollierte Geheimtreffen zwischen Lauber und Infantino, die 2016 und 2017 stattgefunden haben. Die Treffen sollen auf Wunsch Infantinos arrangiert worden sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte Lauber mehrere Verfahren im Bereich des Weltfußballs geleitet. Darunter auch das im Sommermärchen-Skandal um die WM-Vergabe 2006 nach Deutschland, das Ende April wegen Verjährung eingestellt wurde. sid
© Südwest Presse 25.05.2020 07:45
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