Es rumort auf dem Grünen Hügel

Bayreuth verkündet den Abschied des Geschäftsführers. Unklar ist auch die Zukunft von Dirigent Thielemann.
  • Christian Thielemanns Vertrag ist noch nicht verlängert. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Dafür, dass es in diesem Jahr gar keine Bayreuther Festspiele gibt, ist viel los auf dem Grünen Hügel. Erst wurde bekannt, dass Festspielchefin Katharina Wagner wegen einer schweren Erkrankung länger ausfällt – und jetzt, nur rund einen Monat später, verkünden die Festspiele den Abschied von Geschäftsführer Holger von Berg im kommenden Jahr. Die Festspiel-GmbH habe „sich entschlossen“, den bis April 2021 laufenden Vertrag mit von Berg nicht zu verlängern, heißt es am Montag in einer sehr knappen Mitteilung.

Über die Gründe dafür wurde weiter nichts bekannt. Von Berg selbst, der seit April 2016 zweiter Geschäftsführer neben Katharina Wagner ist, äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht. Kurz nach seinem Amtsantritt vor vier Jahren hatte er gesagt: „Es muss sich einiges ändern. Aber gut Ding will Weile haben.“ Viele Mitarbeiter seien noch in den alten Strukturen verwurzelt aus der Zeit, in der die Festspiele ein Familienunternehmen waren.

In von Bergs Verantwortungsbereich fallen unter anderem der Kartenverkauf und die Festspielhaus-Sanierung, während Wagner eher für den künstlerischen Part verantwortlich ist. Verträge mit Sängern und Musikern müssen aber immer von beiden Geschäftsführern unterschrieben werden – ein Grund dafür, dass die Festspiele Wagners Erkrankung im April öffentlich machten.

Seither ist von Bergs Vorgänger im Amt, Heinz-Dieter Sense, nun vorübergehend in Vertretung Wagners sein Co-Geschäftsführer und dürfte alle Hände voll damit zu tun haben, nach der coronabedingten Absage der Richard-Wagner-Festspiele in diesem Jahr zu retten, was zu retten ist. Verträge müssen neu geschlossen oder aufgelöst, Engagements womöglich verschoben werden.

Christian Thielemann ist eine weitere Personalie. Während der Vertrag von Katharina Wagner schon Ende 2019 um weitere fünf Jahre bis 2025 verlängert wurde, steht eine solche Verlängerung bei dem Stardirigenten noch aus – und das, obwohl sein Vertrag als Musikdirektor und damit dritter Teil des Führungstrios der Festspiele schon im Herbst dieses Jahres ebenfalls ausläuft. Eine konkrete Aussage dazu, ob eine Verlängerung mit dem nicht unumstrittenen Dirigenten angestrebt wird, gab es von Seiten der Festspiele, der Gesellschafter oder des Kunstministeriums in München bislang nicht. dpa
© Südwest Presse 26.05.2020 07:45
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