Die Farbwelten der Brüder

Die Schau im Baden-Badener Museum zeigt die Sammlungsgeschichte der Familie Burda. Der Fokus liegt auf Werken des deutschen Expressionismus.
  • Eines von drei nur in der Farbe unterschiedlichen Werken Andy Warhols im Museum Frieder Burda. Es heißt „The Three Gentlemen“, stammt aus dem Jahr 1982 und zeigt die drei Burda-Brüder. Foto: Uli Deck/dpa
Gleich drei Mal ist das Gruppenporträt „The Three Gentlemen“ von Andy Warhol im Museum Frieder Burda in Baden-Baden zu sehen: Eines für jeden Bruder und in jeweils farblich unterschiedlichen Varianten. Der Sammelleidenschaft von Franz, Frieder und Hubert Burda widmet sich die Ausstellung „Die Bilder der Brüder. Eine Sammlungsgeschichte der Familie Burda“, die ursprünglich Mitte März eröffnet werden sollte. Sie wird nun bis 4. Oktober gezeigt.

Bis auf das Warhol-Porträt geht es in der Präsentation allerdings nicht um Pop-Art-Kunst, sondern um Expressionismus. Denn die Kinder der Verlegerfamilie Franz und Aenne Burda sind umgeben von Kunst und Bildern aufgewachsen.

Der Beginn des 20. Jahrhunderts und die Moderne seien von der Emanzipation der Farbe gekennzeichnet, sagte Udo Kittelmann, Direktor der Nationalgalerie Berlin, der die Schau gemeinsam mit Patricia Kamp, der Stieftochter Frieder Burdas, kuratiert hat. Die Farbe sei Orientierungssystem im Familienunternehmen Burda gewesen. Was mit dem Expressionismus begonnen habe, sei später mit der Werbung in Leben und den Alltag der Menschen eingezogen. Daher stamme auch der Name „Bunte“ als Titel einer Zeitschrift aus dem Hause Burda, sagt der Kunstexperte.

Bunte Inszenierung

Schon früh seien Franz, Frieder und Hubert Burda von Expressionisten wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff oder Gabriele Münter begeistert gewesen. Daher liegt auch der Fokus der Schau auf dem deutschen Expressionismus. Expressiv und farbig ist auch die Inszenierung der Ausstellung, die die klassisch weiße Architektur des Gebäudes der Macht der Farben überantwortet.

Für die Wandmalerei wurde der amerikanische zeitgenössische Maler Carl Ostendarp engagiert. Der New Yorker Künstler überlässt dabei nichts dem Zufall und berechnet die Farbverläufe mathematisch genau. Dies biete den expressionistischen Werken, die chronologisch gehängt seien, „ein einzigartiges Spannungsfeld“, sagt Kittelmann.

Kräftige Farben wie Scharlachrot, Safran und „Classic Blue“ dominieren die Wände. Jeweils zwei Farben teilen die Wände in eine Art kurvigen Horizont, der an Klangwellen, EKG-Kurven oder Landschaftsansichten erinnert.

Ein Raum ganz in Gelb und Orange ist den Kindern gewidmet. Dort sind die Bilder auf Augenhöhe der jungen Besucher aufgehängt, wie dies auch der Pop-Art-Künstler Andy Warhol (1928-1987) in einer seiner Ausstellungen realisierte.

Wenig bekannt ist, dass Warhol 1973 den Schwarzwald und die Verlegerfamilie Burda in Offenburg besuchte. Dort sollte er als Berater für die „Bunte“ geholt werden. Zuvor hatte das Unternehmen die Vierfarbmassendruck-Technologie erfunden. Zwischen Hubert Burda und dem US-Künstler ist eine Art Freundschaft entstanden. 1982 fertigte Warhol dann das Porträt der Brüder, deren drei Fassungen jetzt erstmals zu sehen sind.

Noch zu Lebzeiten von Frieder Burda (1936-2019) geplant, spiegle die Schau seinen großen persönlichen Wunsch wider, die Kunst der drei Brüder einmal in seinem Museum zu vereinen, teilen die Kuratoren mit. Ein 60-seitiges Magazin, das der Besucher der Ausstellung kostenlos erhält, verfolgt diese Entwicklungslinie in Text und Bild.

Christine Süß-Demuth
© Südwest Presse 26.05.2020 07:45
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