Kommentar Thomas Veitinger VW muss Kunden entschädigen

Neu erfinden

  • Thomas Veitinger Foto: Volkmar Könnecke
Ein bitterer Beigeschmack bleibt. Nicht, weil der Bundesgerichtshof uneindeutig geurteilt hätte. Sittenwidrigkeit ist eine klare Ohrfeige für Volkswagen. Nein, dass der Autobauer bis zum Schluss beschwichtigt, relativiert, abwehrt. Dass er um jeden Euro Entschädigung kämpft, als würde sein Schicksal davon abhängen. Tut es aber nicht. Im Vergleich zum Corona-Tornado ist der nun folgende Schadenersatz ein laues Lüftchen. Obwohl VW den Einsatz von Schummelsoftware seit fünf Jahren zugibt, will der Konzern im Recht bleiben. Vom immer wieder angekündigten Reinen-Tisch-machen im Dieselskandal keine Spur. Als könnte der größte Autobauer der Welt sich nicht eingestehen, den größten Mist der Autowelt verbockt zu haben.

Das BGH-Urteil belegt diese Gewinnmaximierung um jeden Preis. VW hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Autos werden zunehmend weniger gebraucht. Sie werden zu umweltpolitisch korrekten Wohlfühlobjekten mit Strom- oder Wasserstoffantrieb. Autobauer müssen sich neu erfinden. Der gute Ruf zählt, an schönem Schein hat man sich lange genug versucht.
© Südwest Presse 26.05.2020 07:45
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