Klopp: Wir bringen keinen in Gefahr

In der englischen Eliteliga dürfen die Fußballer wieder trainieren, müssen es bei Bedenken aber nicht.
Jürgen Klopp war nur schwer zu erkennen. Sein Gesicht verschwand unter der tief ins Gesicht gezogenen Schirmmütze und dem Schal, der die grau melierten Barthaare verdeckte. Und weil der Teammanager des FC Liverpool sich beim letzten Kleingruppentraining wie so viele in der englischen Premier League strikt an die Corona-Regeln hielt, rückt ein Liga-Re-Start immer näher. Auch wenn das nicht allen Beteiligten gefällt.

Die 20 Klubs bekamen am Sonntag Abend die Nachricht, die Klopps Hoffnung auf den ersten Liverpooler Meistertitel seit 30 Jahren schürt: Offiziell konnten die Teams nach einem Beschluss der Regierung ab Montag wieder wettkampforientiert und ohne die Einhaltung von Sicherheitsabständen trainieren. Es ist die zweite Stufe im Comeback-Plan der Liga, welche die Rückkehr zum Spielbetrieb in der Vorwoche mit Trainingseinheiten ohne Kontakt eingeläutet hatte.

Nun folgte ein weiterer Schritt Richtung der für Juni vorgesehenen Wiederaufnahme der unterbrochenen Saison, in der Liverpool mit 25 Punkten die Tabelle anführt und unbedingt den so lange ersehnten Titel holen will. Davor müssen die Vereine aber erst einmal im Training weitere Hygienevorkehrungen treffen, zudem werden sämtliche Spieler weiterhin regelmäßig getestet.

Nicht alle Spieler jubeln

„Diese neuen Richtlinien markieren die letzte Phase einer sorgfältig abgestuften Rückkehr zum Training für Spitzensportler, um das Verletzungsrisiko zu begrenzen und die Gesundheit und Sicherheit aller Beteiligten zu schützen“, sagte Sportminister Nigel Huddleston. Über die neuen Regelungen sind aber längst nicht alle Spieler glücklich. Troy Deeney, Kapitän des FC Watford, und Chelsea-Star N‘Golo Kanté waren schon zuvor in Abstimmung mit ihren Vereinen dem Training ferngeblieben.

„Es braucht nur eine infizierte Person in der Gruppe. Ich will das nicht nach Hause bringen“, sagte Deeney. Auch Englands Nationalspieler Danny Rose von Newcastle United wolle zwar unbedingt wieder spielen, aber in der jetzigen Situation würden die Profis „wie Versuchskaninchen oder Laborratten“ behandelt, so Rose.

Klopp gab klar zu verstehen: „Wir würden niemals jemanden in Gefahr bringen. Wenn du dich in diesem Fall nicht sicher fühlst, musst du nicht hier sein.“ Das englische Sportministerium machte derweil den Weg für das freiwillige Ausscheiden von Profis aus Phase zwei frei. Wie in den Richtlinien geschrieben steht, sollen alle Spieler und Betreuer jederzeit die Chance haben, dem Trainingsbetrieb ohne Repressalien fernzubleiben. sid
© Südwest Presse 26.05.2020 07:45
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