Land am Rand

Die Freiheit in der Festung

Verderbliche Umtriebe , wie die gestrenge Obrigkeit meinte, brachten vier Tübinger Studenten auf den Hohenasperg. Wilhelm Pezold, Karl Geßler sowie die Brüder Leonhard und Gottlob Tafel aus Sulzbach am Kocher waren Mitglieder des Jünglingsbundes. Sie planten eine Revolution, lautete die Begründung der 1824 angeordneten Festungshaft für die angeblichen Landesverräter. Dabei strebten sie nur nach deutscher Einheit und Freiheit.

Fast 200 Jahre später bereichert das Quartett die Ausstellung im Museum auf dem einst gefürchteten Tränenbuckel. Seit zehn Jahren werden dort prominente Häftlinge vorgestellt, zu denen Helmut Palmer gehört, rebellischer Vater des heutigen Tübinger Oberbürgermeisters.

Das Haus der Geschichte hat als neues Exponat auch ein Skizzenbuch beschafft von Ludwig Schaller, der als „revolutionärer Turner“ gleichfalls eingesperrt worden war. 1848/49 hatte er den Hohenasperg gezeichnet und die Skizze mit dem ironischen Motto „Auf den Bergen ist Freyheit“ versehen.

Ganz schlecht ist es den Jünglingsbündlern auf dem Berg wohl nicht ergangen. „Festungsfreiheit“ hätten sie genossen, lassen die Historiker in Stuttgart wissen: „Sie trafen sich, mit Weinspenden versorgt, zu Lektüre und politischen Diskussionen – und ließen sich stolz als ,Demagogen‘, also Volksredner, abbilden.“

Aus allen ist nach der Entlassung etwas Anständiges geworden. Pezold wurde Arzt, Geßler Pfarrer, Gottlob Tafel brachte es zum Abgeordneten, sein Bruder Leonhard stieg in Amerika auf zum Bischof. Hans Georg Frank
© Südwest Presse 26.05.2020 07:45
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