Kommentar Dorothee Torebko zur erneuerten Bahn-App

Eine Warnung reicht nicht

  • Dorothee Torebko Foto: privat
Die Deutsche Bahn hat in der Corona-Krise einiges richtig gemacht. Statt das Angebot im Nah- und Fernverkehr massiv abzubauen, fuhren 75 Prozent der Züge weiter. Damit schaffte der Staatskonzern Sicherheit. Er beförderte die Menschen auch in Krisenzeiten. Zudem konnten die Abstände eingehalten werden. Nun trauen sich immer mehr Menschen in die Züge – bald wird die Auslastung so weit steigen, dass dichtes Gedränge nicht ausgeschlossen ist. Die Bahn begegnet dem mit der Erneuerung ihrer App. Doch damit sitzt sie einer Fehleinschätzung auf.

Die App ist nicht mehr als eine Warnung. Sie ist von der Eigeninitiative und dem Gemeinsinn der Menschen abhängig. Wenn der Navigator anzeigt, dass die Auslastung hoch ist, kann der Passagier den Zug trotzdem nutzen.

Die Bahn geht davon aus, dass der Fahrgast freiwillig eine Stunde auf den nächsten ICE wartet, statt sich in den volleren Zug zu setzen. Doch gerade in Zeiten der Corona-Überdrüssigkeit und Kritik an den Schutzmaßnahmen der Bundesregierung in Form von Protesten könnte das eine folgenreiche Fehleinschätzung sein.

Viel sinnvoller wäre eine Reservierungspflicht für Fernzüge. Damit könnte die Bahn nicht nur die Abstandsregeln einhalten, sondern auch Fahrgäste und die eigenen Mitarbeiter besser schützen.
© Südwest Presse 26.05.2020 07:45
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