Handball

Ein wenig Planungssicherheit in ungewissen Zeiten

Jürgen Schweikardt bleibt dem TVB 1898 Stuttgart als Trainer erhalten. Der 40-Jährige hofft auf einen Saisonstart vor Zuschauern.
  • Für Manuel Späth (beim Wurf) und die Stuttgarter Handballer nahm die Saison ein abruptes Ende. Dem Kreisläufer, der den Klub verlässt, blieb wegen des vorzeitigen Abbruchs ein Abschiedsspiel im TVB-Trikot verwehrt. Foto: Fotos: Benjamin Lau/Eibener
  • Jürgen Schweikardt geht in seine neunte Saison beim TVB Stuttgart. Foto: Benjamin Lau/Eibner
Eigentlich stapelt sich auf dem Schreibtisch von Jürgen Schweikardt das ganz Jahr über die Arbeit. Kein Wunder, schließlich ist der 40-Jährige Geschäftsführer und Trainer des Handball-Bundesligisten TVB 1898 Stuttgart zugleich. Jetzt, da wegen des Saisonabbruchs der Spielbetrieb ruht, könnte er sich eigentlich vermehrt seinen Geschäftsführer-Tätigkeiten widmen. Doch so lange nicht klar ist, wie und wann es mit der neuen Saison weitergeht, ist Schweikardt auch hier zum Abwarten verdammt.

Wie bei den meisten Vereinen ist es auch in Stuttgart eine verzwickte Situation. Aufgrund der Corona-Krise und deren Unwägbarkeiten ist es unmöglich, seriöse Etatplanung zu betreiben. Und ohne die können keine Spielerverträge verlängert oder Neuzugänge geholt werden. Vereinfacht ausgedrückt: Geschäftsführer Schweikardt weiß nicht, wie viel Geld ihm zu Verfügung steht, um den Trainer Schweikardt ein starkes Team zusammenzustellen.

Mit der Doppelfunktion hat sich der einstige TVB-Spieler eine Menge Arbeit aufgelastet – und daran wird sich vorerst nichts ändern. „Wir müssen schauen, dass wir so schlank wie möglich durch die Krise kommen“, sagte Schweikardt am Donnerstag. Deshalb wird er entgegen der Planung gemeinsam mit Co-Trainer Karsten Schäfer auch in der kommenden Spielzeit an der Seitenlinie stehen. „Es steht über allem, dass wie die nächste Saison überstehen“, stellte der Geschäftsführer klar.

Wann und unter welchen Umständen die beginnen kann, ist unklar. Die Liga plant, Mitte Juni dazu genauere Infos bekanntzugeben. Immerhin stimmt die Entwicklung des öffentlichen Lebens Schweikardt vorsichtig optimistisch: „Ich habe mittlerweile die Hoffnung, dass der Start mit einer teilgefüllten Halle stattfinden kann.“ Geisterspiele, wie sie momentan im Fußball gespielt werden, hätten für die Handballer schwere finanzielle Folgen. 25 Prozent des Saisonetats stammen beim TVB aus den Zuschauereinnahmen bei Heimspielen. Rechnet man noch die VIP-Karten, die dem Sponsoring zugeordnet werden, hinzu, steigt die Prozentzahl laut Schweikardt sogar noch einmal um einen „signifikanten Teil“.

Da kommt jede Hilfe Recht. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtete, will die Landeshauptstadt die etwa 300 ansässigen Sportvereine finanziell unterstützen. Die Bundesligisten, mit Ausnahme der VfB-Fußballer, sollen dabei eine Million Euro erhalten. Für Schweikardt eine gute Nachricht: „Wir haben Etateinbußen im zweistelligen Prozentbereich. Deshalb werden wir Hilfe brauchen und würden uns freuen, wenn die auch von der Stadt kommen würde.“

Gehaltseinbußen für die Spieler

Trotzdem führt kein Weg an Einsparungen bei den Spielergehältern vorbei, die die Hälfte des Etats ausmachen. „Es ist klar, dass wir über Gehaltsverzicht sprechen müssen“, so Schweikardt. Momentan sind die Akteure in Kurzarbeit und halten sich auf freiwilliger Basis fit. Dank einer wöchentlichen Videosession weiß der Coach, dass das mitunter mit großem Engagement geschieht. „Manche betreiben intensiv Krafttraining. Ich bekomme also kräftige Spieler zurück.“

Auch wenn im Falle von Geisterspielen den Klubs wichtig Einnahmen fehlen, sollten sie laut Schweikardt trotzdem in Betracht gezogen werden. „Wir dürfen nicht zu lange von der Bildfläche verschwinden“, warnt er. Schweikardt hätte lieber heute als morgen wieder richtig viel Arbeit um die Ohren – sowohl als Trainer als auch als Geschäftsführer.
© Südwest Presse 29.05.2020 07:45
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