Was für ein Comeback: Castro schießt VfB auf Platz zwei

Der VfB Stuttgart steigert sich nach schwacher erster Halbzeit und gewinnt gegen den HSV ein fast schon verloren geglaubtes Match mit 3:2.
  • HSV-Abwehrchef Rick van Drongelen (r.) schirmt den Ball vor VfB-Angreifer Hamadi Al Ghaddioui ab. Die Hamburger dominierten die erste Hälfte, dann kam der VfB zurück. Foto: Matthias Hangst/dpa
Einen Tag vor dem Topspiel hatten die Kluboberen des Fußball-Zweitligisten VfB Stuttgart den Vertrag mit ihrem Trainer Pellegrino Matarazzo vorzeitig um ein Jahr verlängert. Und diesem damit noch einmal nach zwei Niederlagen in Folge demonstrativ den Rücken gestärkt. „Mit brutalem Optimismus und viel Feuer“ wolle sein Team in das Match gegen den Hamburger SV gehen, hatte Matarazzo vor dem Abpfiff kämpferisch angekündigt. Ein Offensivfeuerwerk hatte der 42-Jährige damit offensichtlich nicht gemeint. Der VfB bot in der ersten Halbzeit eine schwache Leistung, drehte dann aber zu Beginn der zweiten Hälfte auf, um quasi in allerletzter Sekunde den 3:2-Siegtreffer zu erzielen. Stuttgart rückte damit auf Platz zwei vor, der zum direkten Aufstieg berechtigen würde. Der HSV rangiert nun auf Relegationsplatz drei.

Die Stuttgarter, die dieses Spiel unbedingt gewinnen und den HSV von Platz zwei verdrängen wollten, begannen das Geisterspiel im weiten Rund der fast leeren Mercedes-Benz-Arena seltsam abwartend. Die Hausherren überließen den Gästen zunächst das Feld. Was sich schon nach 16 Minuten bitter rächte. Stuttgarts Nicolas Gonzales verlängerte einen von Aaron Hunt getretenen Eckstoß unfreiwillig auf HSV-Sturmspitze Joel Pohjanpalo. Der Finne nahm das Geschenk dankend an und köpfte zum 1:0 ein. Der VfB lag erneut zurück – wie schon bei den Pleiten in Wiesbaden und Kiel.

VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo hatte sein Team im Vergleich zum 2:3 in Kiel auf drei Positionen geändert. Für Spielgestalter Daniel Didavi (Gelb-Rot-Sperre) und Mittelfeldmann Atakan Karazor (Gelb-Sperre) liefen Orel Mangala und Silas Wamangituka auf. Der zuletzt glücklose Mario Gomez musste ebenfalls raus. Für ihn spielte Hamadi Al Ghaddioui im Angriffszentrum, direkt dahinter diesmal der Argentinier Gonzalez, der seinem Fauxpas vor dem 0:1 wiedergutzumachen versuchte.

Bittere erste VfB-Halbzeit

Doch die Stuttgarter kamen nicht in Gang. Sie wirkten gehemmt, rückten bei den eigenen Offensivaktionen nur halbherzig nach. Tempo, Spielwitz, Überzeugung. Alles das fehlte im Spiel des VfB, der in den ersten 45 Minuten drei Schüsse aufs Tor brachte. Wirklich gefährlich wurde es für den selbstsicher auftretenden und zweikampfstärkeren HSV nicht.

Das Team von Trainer Dieter Hecking agierte zwingender. Und traf unmittelbar vor dem Pausenpfiff zum zweiten Mal – erneut unter tatkräftiger Mithilfe des VfB. Diesmal stand Pascal Stenzel im Mittelpunkt. Der Außenverteidiger wehrte im eigenen Strafraum einen Kopfball aus kurzer Distanz mit dem ausgestreckten Arm ab – Elfmeter für den HSV. Der starke Aaran Hunt verwandelte traumhaft sicher. 2:0 für den HSV (45.+2). Schlimmer hätte es kaum laufen können für Stuttgart.

Nach dem Wechsel stand plötzlich eine andere VfB-Elf auf dem Platz. Die Gastgeber suchten entschlossen den Weg nach vorne, der Japaner Wataru Endo erzielte schon nach 47 Minuten per Kopf den 1:2-Anschlusstreffer. Die Begegnung war wieder offen und nahm in der Folge deutlich an Intensität zu. Der HSV verlor auf einmal seine Souveränität und die Führung. Torwart Daniel Heuer Fernandes foulte den durchgebrochenen Orel Mangala. Wieder gab es Elfmeter. Diesmal jedoch für den VfB. Gonzalez verwandelte – 2:2 (61.). Was für ein Comeback.

Der Hamburger SV war an diesem Abend ein starker Gegner für das Matarazzo-Team. Der Schwung der Gastgeber verpuffte zusehends. Die Norddeutschen schüttelten sich, erholten sich von dem Schock der beiden Gegentore, übernahmen sukzessive das Kommando, kombinierten sich mitunter fein nach vorne. Auf den letzten Metern fehlte dem HSV, angetrieben von Aaron Hunt und Adrian Fein, aber oft Genauigkeit und Durchschlagskraft.

In der Schlussphase kam der VfB nochmal auf. Stenzel traf mit seinem Freistoß kurz vor Schluss nur den Pfosten (89.). Dann sprintete Gonzalez mit dem Ball am Fuß allen davon, passte nach innen. Gonzalo Castro flitzte heran und drückte den Ball über die Linie. 3:2 für den VfB!
© Südwest Presse 29.05.2020 07:45
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