Ende der Corona-Beschränkung gefordert

Kinderärztinnen: Schulen und Kitas sofort öffnen

In einem offenen Brief an die Landesregierung werden die negativen Folgen der Schließung geschildert.
Julia Fohr und Ruth Adam haben eine Kinder- und Jugendarztpraxis in Fellbach bei Stuttgart. Sie erleben die negativen Folgen bei Kindern durch die wochenlangen Corona-Schließungen und Beschränkungen täglich im Praxisalltag: Während in den ersten Wochen mit geschlossenen Kindergärten und Schulen vieles noch durch die Familien kompensiert werden konnte, nehmen die Schwierigkeiten daheim seit drei Wochen zu: Kindern würden immer „ängstlicher und klammernder“, beobachten die beiden Ärztinnen – und beschreiben das jetzt in einem offenen Brief.

In dem Schreiben an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Sozialminister Manne Lucha (beide Grüne) wird gefordert, dass „alle Schulen und Kitas für alle Kinder sofort“ geöffnet werden. „Wir brauchen Unterricht und Kitas ohne Abstandsregeln und Mundschutz, dafür Unterricht und Betreuung in festen Schulklassen und Gruppen.“

Es sei nicht entscheidend, dass Klassen oder Gruppen möglichst klein sind, sondern dass die „fest zusammen bleiben und nicht vermischt werden“. Spiel und Kontakt soll in einer Gruppe „in vollem Umfang möglich sein, aber Kontakte zwischen den Gruppen sind zu vermeiden“, etwa mittels zeitversetzter Pausen und fest zugeordneter Räume. So lasse sich das Ansteckungsrisiko gering halten, „der Kreis der Kontaktpersonen bleibt überschaubar und dennoch haben die Kinder die Chance auf ein bisschen (alte) Normalität in diesen Zeiten“, heißt es im offenen Brief.

Für ihre gesunde Entwicklung brauchen Kinder Kontakt zu anderen Kindern – ohne Abstandsregeln, dauernde Überwachung und Ermahnungen, schreiben die Kinderärztinnen. „All dies wird ihnen verwehrt.“

Da helfe auch das Versprechen nicht, dass alle bis zu den Sommerferien zurück in die Schule dürften: 15 Tage jeweils zwei Stunden Schule, wie das zum Beispiel für eine Zweitklässlerin vorgesehen sei, reichten eben nicht aus. Wenn Veranstaltungen und Feiern wieder erlaubt werden und verantwortbar seien, Sport wieder anlaufe, Gasträume öffneten, sei nicht mehr zu begründen, dass es zu risikoreich sei, „dass sich jeden Tag eine gleichbleibende Gruppe von 25 Kindern in einem Klassenzimmer oder Gruppenraum trifft?“, fragen die Ärztinnen. Alfred Wiedemann
© Südwest Presse 29.05.2020 07:45
155 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy