Kommentar Alexander Bögelein zur Teuerungsrate im Mai

Gefährlich zurückhaltend

  • Alexander Bögelein Foto: Martin Ebert
Für Normalsterbliche sind die Summen, die die Europäische Zentralbank in die Märkte pumpt, unvorstellbar. Zum billigen Zentralbankgeld kommen nun Milliarden für Konjunkturpakete von EU und Staaten. Das müsste laut Theorie die Inflation anheizen. Doch das tut es nicht, genauso wenig wie nach der Finanzkrise, als EZB und EU-Länder auf die gleichen Mittel setzten.

Die Teuerung von 0,6 Prozent im Mai mögen manche für eine gute Nachricht halten. Schließlich profitieren Verbraucher von nahezu stabilen Preisen. Damit sich die Inflation zum Schreckgespenst entwickelt, müsste die Wirtschaft schnell wieder anspringen und die Konjunktur überhitzen. Davon ist nichts zu sehen. Denn die Corona-Krise hat der Wirtschaft einen Angebots- und Nachfrageschock versetzt. Angesichts der großen Unsicherheit halten sich Firmen mit Investitionen zurück. Arbeitnehmer, die um ihren Job fürchten, drosseln ihre Ausgaben. Davon geht eine Gefahr aus.

Dass die EZB bei ihrer Geldpolitik eine Inflationsgröße von knapp unter zwei Prozent setzt, hat gute Gründe. Einer davon ist: Sie will einen Sicherheitsabstand zur Deflation haben. Wenn Preise sinken, droht die Gefahr, dass Verbraucher und Unternehmer ihre Kaufentscheidungen in die Zukunft verschieben. Das würde die Krise verschärfen und die Notenbanken können kaum etwas dagegen tun.
© Südwest Presse 29.05.2020 07:45
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