Mieter haben das Nachsehen

Eine DIW-Studie untersucht Auswirkungen von Regulierungsmaßnahmen auf den Wohnungsmarkt.
  • Wer wenig verdient bleibt lange in seiner Wohnung. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
In Großstädten und in Ballungsräumen steigen die Mieten seit Jahren stark, die öffentliche Debatte hat sich zugespitzt. Vor allem Parteien aus dem linken Spektrum fordern neben der Mietpreisbremse die Einführung eines Mietendeckels wie in Berlin. Die Kontroverse heizt sich immer weiter an, in München und in Stuttgart wird befürchtet, dass es auch dort zu ähnlichen Regelungen kommt. Der Eigentümerverband Haus & Grund hat nun eine Studie in Auftrag gegeben – Fazit: Mehr Mietregulierung führt dazu, dass sich das Mietwohnungsangebot für Wohnungssuchende reduziert.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat Daten aus 89 Ländern über einen Zeitraum von rund 100 Jahren auf Regulierungsmaßnahmen im Mietwohnungsmarkt untersucht. „Insgesamt könnte durch die Regulierung der Anteil der zur Miete wohnenden Haushalte sinken. Verlierer wären einkommensschwache Haushalte“, sagt DIW-Studienleiter Yann Girard. Menschen mit genügend Einkommen würden „unfreiwillig“ Wohneigentum erwerben. Mieter mit geringem Einkommen würden in bestehenden, regulierten Mietverhältnissen aufgrund der günstigen Miete so lange wie möglich in ihren Wohnungen verbleiben. Der vorhandene Wohnungsbestand werde weniger effizient verteilt. „Gleichzeitig werden Wohnungssuchende wegen des gesunkenen Angebots höhere Suchkosten haben“, erläutert Studienleiter Girard. Für Teile der Vermieter werde es sinnvoll sein, die Mietwohnungen als Eigentumswohnungen zu verkaufen oder andere Formen der Bewirtschaftung zu wählen. Deutschland habe innerhalb der Europäischen Union bereits jetzt einen sehr regulierten Wohnungsmarkt und liege auf Platz vier, hinter Zypern, Dänemark und Luxemburg.

Kai Warnecke, Präsident bei Haus und Grund, erklärt: „In den vergangenen Jahrzehnten ist Deutschland mit einem starken Mietwohnungsmarkt sehr gut gefahren. Er war von einem Ausgleich der Interessen geprägt. Dieses Gleichgewicht müssen wir jetzt neu herstellen.“ nj
© Südwest Presse 29.05.2020 07:45
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