Die Jugendlichen sind die Vergessenen in Corona-Zeiten

Zur Corona-Pandemie:

Die durch das Corona-Virus verursachte Krise und der damit verbundene Shutdown hat viele Verlierer. (...) Es gibt eine Bevölkerungsgruppe, die bislang allenfalls negativ in der Berichten erwähnt wurde. Das sind die Jugendlichen in den unteren und mittleren Klassen der weiterführenden Schulen und die jungen Erwachsenen in der Ausbildung und im Studium. Es gibt wenige, die die bestehenden Regeln nicht einhalten. Aber der Großteil dieser Gruppe blieb und bleibt zuhause, verzichtet auf soziale Kontakte, auf Sport, andere Hobbys und (...) auf adäquate Bildung. Zwar gibt es an den meisten Einrichtungen Anstrengungen, für adäquaten Ersatz zu sorgen. (...) In dieser Altersgruppe ist das soziale Miteinander mindestens so wichtig wie bei Kindergarten- und Grundschulkindern. Jugendliche brauchen ein Gegenüber, müssen sich im Miteinander ausprobieren, ihren Platz in der Gesellschaft und in der Gruppe der Gleichaltrigen finden, sich in Praktika auch beruflich orientieren. Das schulische Lernen klappt sicher in Bildungsfamilien mit personellen und materiellen Ressourcen noch ganz gut. Kinder aus bildungsferneren Familien und leistungsschwache Schüler werden aber auf der Strecke bleiben, das bekommt nur gerade niemand mit. Ebenso soll das Lernen an Berufsschulen und Universitäten die jungen Menschen für ihr Berufsleben ausbilden und stärken. Wichtige praktische Erfahrungen und ebenso das weitere Einüben des sozialen Miteinanders bleiben auch hier völlig auf der Strecke. (...) Dazu fehlt derzeit bei vielen der körperliche Ausgleich. Während sich kleinere Kinder derzeit zusammen mit den Eltern draußen bewegen können, sofern hier die Möglichkeiten räumlich und personell gegeben sind, findet Bewegung bei Jugendlichen doch üblicherweise zusammen mit Freunden oder organisiert im Vereinssport statt. Sich selbst zum Sport zu motivieren gelingt nur einem kleineren Teil. Diese (...) sind in vielfacher Hinsicht Verlierer dieser Krise. Ihnen wird die Möglichkeit auf eine altersentsprechende Entfaltung genommen, denn es wird nun ernsthaft diskutiert, dass das nächste Schuljahr bzw. Semester weiter überwiegend zuhause stattfinden soll, während alle anderen wieder bei der Arbeit , im Kindergarten und in der Grundschule sind und Reisen und Veranstaltungen mit 100 (vielleicht sogar bald 1000) Leuten, stattfinden können.

Vor der Corona-Krise hatten wir (...) große Themen wie Energiewende, Klima und Krisenherde weltweit. Diese müssen eben jene jungen Menschen angehen, wenn sie wieder am normalen Leben teilnehmen dürfen. Außerdem müssen sie einen riesigen, schnell weiter wachsenden Schuldenberg abtragen und als relativ kleine Gruppe die Renten von uns Babyboomer-Jahrgängen bezahlen. Bleibt zu hoffen, dass sie aus dem Verhalten der Erwachsenen in der derzeitigen Krise nicht mitnehmen, dass man, wenn’s schwierig wird, einfach erst mal alles runterfährt.

Ich bitte nun alle Verantwortlichen, bei den weiteren Planungen unbedingt auch diese Gruppe adäquat zu berücksichtigen. Von jungen Menschen geht keine höhere Gefahr aus als von allen anderen. Vor allem müssen sie wie alle anderen das Recht erhalten, wieder vollumfänglich in die weiterführende Schule, die Berufsschule oder die Hochschule zu gehen. Abschließend möchte ich mich (...) bei allen jungen Menschen bedanken, die sich (...) genauso wie alle anderen an die Regeln gehalten haben.

© Schwäbische Post 29.05.2020 19:23
481 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy