Wenn der Name eine Bürde ist

Dora Grozer ist zurück in der Bundesliga und bereit, die große Familientradition fortzusetzen. Sie freut sich auf ihre neue Wirkungsstätte beim MTV Stuttgart.
  • Dora Grozer (hinten) im Trikot der deutschen Nationalmannschaft. Demnächst schmettert die 24-Jährige auch für den MTV Stuttgart. Foto: Eibner
Hammer-Dora? Nein, davon will Dora Grozer überhaupt nichts wissen. „Ich glaube, wenn man mich anschaut, denkt man nicht unbedingt an einen Hammer“, sagt die Volleyballerin. In der kommenden Saison spielt sie für den MTV Stuttgart in der Bundesliga. Hintergrund: Ihr erfolgreicher Vater Georg Grozer senior und ihr noch erfolgreicherer Bruder Georg junior sind aufgrund ihrer Schlagkraft seit vielen Jahren als „Hammer-Schorsch“ bekannt. Dora wird auf diesen martialischen Spitznamen gerne verzichten.

Worauf sie keinen Einfluss hat, ist der Nachname. Vater, Mutter, Großmutter und zwei ihrer Brüder spielten oder spielen Volleyball, und das äußerst erfolgreich. Der Name Grozer hat in der Volleyball-Szene einen guten Klang. „Meine Eltern haben immer gesagt, es ist ihnen egal, was wir machen, aber natürlich haben sie sich gefreut, dass wir uns für Volleyball entschieden haben“, erzählt die 24-Jährige. Der Name kann natürlich auch zur Bürde werden, das weiß Dora inzwischen sehr genau: „Ich bin stolz auf meine Familie und respektiere alles, was sie erreicht haben. Es ist nur manchmal schwierig, wenn ich zum Beispiel mit meinem Bruder verglichen werde.“

Ihr erfolgreicher Vater stammt aus Ungarn. Sie selbst ist in Duisburg geboren, als Deutschlands Volleyballer des Jahres 1992 beim Moerser SC spielte und kurz vor seinem Karriereende stand. Ihr Bruder Georg junior kam in Budapest zur Welt, dort wuchs Dora die ersten Jahre ihres Lebens auf.

Vater und Bruder bestritten Länderspiele für Deutschland und Ungarn, für Dora ist das aber keine Option. „Ich habe in Deutschland angefangen und möchte es auch da zu Ende bringen“, sagt sie.

Ihr großer Bruder ist bislang das erfolgreichste Mitglied der Grozer-Dynastie. Im Jahr 2014, als der zum damaligen Zeitpunkt 29-Jährige Champions-League-Sieger, Klubweltmeister und mit Deutschland WM-Dritter wurde, schaffte seine damals 18-jährige Schwester gerade den Sprung in die Volleyball-Bundesliga zu den Ladies in Black Aachen.

2016 schloss sich Dora Grozer Ligakonkurrent VC Wiesbaden an, woraufhin ihre junge Karriere die erste Delle erhielt. „Ich hatte eine wirklich gute Zeit in Wiesbaden, das Drumherum hat gepasst. Aber ich wurde nicht wirklich vom damaligen Trainer unterstützt und durfte kaum spielen. Da ist mir dann schon die Lust vergangen“, erinnert sie sich an ihre Zeit in Hessen.

Sie fing deshalb an, ihr Studium des International Management voranzutreiben, war aber immer noch auf der Suche nach einem neuen Klub. In der Schweiz wurde sie schließlich fündig. Beim Sm‘Aesch Pfeffingen mit Trainer Andi Vollmer fand Dora Grozer zurück in die Spur: „Andi hat mich aufgepäppelt, mit mir gearbeitet und mir Vertrauen geschenkt. Das hat mir wirklich gut getan.“ Mit Erfolg: In ihrer ersten Saison wurde sie zur wichtigsten Spielerin der Liga gewählt.

Jetzt also ist Dora Grozer zurück in der Bundesliga und will mit dem ambitionierten MTV Stuttgart viele Titel gewinnen. Sie freut sich schon sehr auf ihre neue Wirkungsstätte in der Landeshauptstadt Baden-Württembergs: „Natürlich möchten wir als Team oben mitspielen. Ich persönlich möchte mir dort meinen Platz erkämpfen.“ Wenn auch nicht als Hammer-Dora. sid
© Südwest Presse 05.06.2020 07:45
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy