Verbrenner ist der Verlierer

Der Staat zahlt nur für alternative Autoantriebe Kaufprämien. Hersteller und Umweltschützer sind damit im Kern zufrieden. Händler kritisieren die Hilfen.
  • Verbrauchern in Deutschland soll der Autokauf mit deutlich aufgestockten Kaufprämien für Elektrofahrzeuge und einer Senkung der Mehrwertsteuer schmackhaft gemacht werden. Unser Bild zeigt die Porsche-Produktion. Foto: Marijan Murat/dpa
Das dürfte viele Experten überraschen: Es wird keine allgemeinen direkten Kaufprämien für Autos geben. Wer sich ein Fahrzeug zulegt, erhält nur eine höhere Unterstützung durch das beschlossene Konjunkturpaket des Bundes, wenn dieses per Stromkabel aufgeladen werden kann.

Indirekt werden durch die Senkung der Mehrwertsteuer aber auch Käufer von Autos mit Verbrennungsmotoren von der staatlichen Stütze profitieren – wenn die Steuersenkung an sie weitergegeben wird. Genau das sagt der Verband der Automobilindustrie (VDA) aber zu. Die auf ein halbes Jahr befristete Absenkung der Steuer sei „eine wichtige Maßnahme, um die Nachfrage in Deutschland wieder in Schwung zu bringen“, urteilt der Verband auf seiner Internetseite. Allerdings bedauert der VDA die fehlende staatliche Förderung von Verbrennern mit reinen Benzin- oder Dieselantrieben. Damit hatten sich die Lobbyisten trotz der Unterstützung durch die Autoländer Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern nicht durchsetzen können.

Auch der Autohandel sieht das Konjunkturpaket kritisch. Die Senkung der Mehrwertsteuer sei kein wesentlicher Kaufanreiz. Die Lagerbestände für Benziner- und Dieselfahrzeuge abzubauen. Gut sei immerhin, dass die Hängepartie in Sachen Auto-Kaufprämie jetzt vorbei sei.

Bei Umweltschützern traf der Ausschluss von Dieseln und Benzinern im Kern auf Zustimmung. Es sei „der richtige Weg hin zur dringend nötigen Mobilitätswende in Deutschland“, meinte etwa Naturschutzbund-Geschäftsführer Leif Miller. BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg sieht jedoch auch Schlupflöcher. Er bemängelte, die Berücksichtigung von Plug-in-Hybriden komme einer „Kaufprämie für Verbrenner durch die Hintertür“ gleich. Wenn nicht mindestens 70 bis 80 Prozent der Strecke elektrisch gefahren würden, sei das Auto de facto ein Verbrenner. Der Verbrennungsmotor sei der große Verlierer der Entscheidung, sagte Klimaexperte Tobias Austrup: „Dem technologischen Auslaufmodell ist die politische Unterstützung abhanden gekommen.“

Insbesondere die Verdoppelung des Umweltbonus für E-Autos sei ein „sehr kräftiger Impuls“, erklärte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Die Wirkung anderer Vorhaben wie die Mehrwertsteuersenkung nannte er dagegen „überschaubar“.

Branchenexpertin Ellen Enkel sagte, eine Konzentration der Förderung auf E-Fahrzeuge bringe deutschen Herstellern eher wenig: „Davon profitieren in erster Linie ausländische Hersteller.“ Nur ein Viertel der förderfähigen E-Autos seien deutsche Modelle.

Audi-Betriebsratschef Peter Mosch hat das Konjunkturpaket „einen entscheidenden Schönheitsfehler: Die einseitige Fokussierung auf E-Fahrzeuge geht an den Kaufoptionen der Kunden vorbei.“ Für BMW-Chef Oliver Zipse seien dagegen die „beschlossenen Maßnahmen ein wertvoller Transformationsbeschleuniger, um noch mehr Kunden für nachhaltige Mobilität zu begeistern“. Daimler-Chef Ola Källenius hält die „im Zukunftspaket enthaltenen Maßnahmen für klimafreundliche Mobilität von Nutzfahrzeugen und Pkw sind sinnvoll“. Auch der VW-Konzern sieht einen „guten, wichtigen Impuls“.

Wer in Deutschland ein E-Auto kauft, dem ist einer Studie zufolge eine Kaufprämie aber weniger wichtig. Ausschlaggebend waren laut der Befragung von gut 1000 Menschen in Deutschland dagegen die Kilometerkosten der Elektroautos und Umweltaspekte. „Nur 8 Prozent der potenziellen deutschen E-Auto-Käufer geben an, dass staatliche Förderungen ihre Kaufentscheidung massiv beeinflussen“, teilte die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) mit. Auffällig ist demnach auch, dass Hersteller die Einflüsse auf die Kaufentscheidung ihrer Kunden falsch einschätzen. vt/dpa/afp
© Südwest Presse 05.06.2020 07:45
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