Rettung für die Schweine?

Der Bundesrat will eigentlich über mehr Käfigplatz abstimmen, doch die Positionen liegen noch weit auseinander.
  • Muttersauen samt Ferkeln in einem so genannten Kastenstand. Foto: Jens Büttner/dpa
Seit Jahren streiten Bund und Länder über mehr Platz für Schweine in Käfighaltung. An diesem Freitag könnte es endlich zu einer Einigung kommen.

Um was geht es? Der Streit dreht sich um kürzere Zeiten in den so genannten Kastenständen. Bisher können die Tiere dort von der Besamung bis zur Ferkelaufzucht insgesamt 35 Tage gehalten werden, die Zeit soll sich nun auf fünf Tage verkürzen. Zudem sollen diese Ställe größer werden. Sie sollen mindestens 220 Zentimeter lang und zwischen 65 und 85 Zentimeter breit sein, um dem Schwein genügend Platz zum Aufstehen, Hinlegen und Ausstrecken des Kopfes zu lassen.

Was sind die Knackpunkte? Nach dem Vorschlag der Bundesregierung sollen Betriebe acht Jahre Zeit haben, um sich auf die neuen Anforderungen einzustellen. Ein Kompromisspapier der Länder Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein sieht eine Übergangsfrist von zehn Jahren vor. Vor allem Landesregierungen mit Beteiligung der Grünen fordern kürzere Fristen.

Wie werden die Länder abstimmen? Aus dem Landwirtschaftsministerium Baden-Württembergs hieß es: „Die Verhandlungen werden wohl bis kurz vor der Abstimmung andauern“, sagt Sprecherin Christina Millers. In Brandenburg ist man skeptisch darüber, dass der Bundesrat überhaupt abstimmt. „Die Gespräche sind schwierig, und es ist nicht auszuschließen, dass es eine erneute Verschiebung gibt“, sagt Gabriel Hesse, Sprecher beim brandenburgischen Verbraucherministerium, das auch für Tierwohl zuständig ist.

Wie regeln es Nachbarländer? In Schweden und Großbritannien sind Kastenstände für Schweine seit langem verboten. In den Niederlanden und Dänemark gibt es immer größere Anlagen. Während in Deutschland die Zahl der Ferkelzüchter sinkt – Waren es 2000 noch 47 000 Betriebe, sind es nur noch rund 7000. Die Importe aus den Nachbarländern steigen. In Dänemark verdoppelte sich die Zucht seit 2000 auf 11 Mio. Schweine. Nina Jeglinski

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© Südwest Presse 05.06.2020 07:45
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