Erster Matchball in Bremen

Der Münchner Leon Goretzka und BVB-Stürmerstar Erling Haaland sorgen mit späten Treffern für Favoritensiege. Für Thomas Müller gibt's einen Rüffel.
  • Nichts zu halten gab es für Gladbachs Torhüter Sommer bei diesem Schuss von Leon Goretzka. Foto: Matthias Balk/dpa Foto: Matthias Balk/dpa
Hansi Flick kann es auf dem Weg zum Geister-Titel gar nicht schnell genug gehen. „Wir wollen am Dienstag den Sack zumachen. Das ist unser Ziel. Wir haben einen hervorragenden Lauf und wollen unsere Erfolgsserie fortsetzen“, sagte der Trainer von Bayern München nach dem schwer erkämpften 2:1 (1:1) und den „drei Big Points“ gegen Borussia Mönchengladbach unmissverständlich.

Bei sieben Punkten Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund hat der Fußball-Rekordmeister am Dienstag (20.30 Uhr/Sky) bei Abstiegskandidat Werder Bremen den ersten Meister-Matchball – und der soll eiskalt genutzt werden. „Das ist unser Plan, dass wir das Ding nach Hause fahren“, betonte auch Matchwinner Leon Goretzka, der die Münchner mit seinem Siegtreffer (86.) für ihren Aufwand belohnte.

FC Bayern wirkt erneut müde

Zweifel an der 30. deutschen Meisterschaft, der achten in Folge, gibt es ohnehin kaum noch – doch meisterlichen Glanz versprühten die erneut müde wirkenden Münchner auch gegen Gladbach kaum. „Die Power-Saison steckt uns in den Knochen“, räumte Flick ein. Er war aber trotzdem „nach einem harten Stück Arbeit extrem happy“, weil sein Team eben andere Qualitäten zeigte. „Auch wenn es nicht so gut läuft, wehrt sich die Mannschaft“. Er sei vom Charakter „begeistert“. Der FC Bayern könne inzwischen „auch Arbeitssiege“, merkte Kapitän Manuel Neuer zufrieden an.

Noch länger als die Münchner musste Borussia Dortmund auf den Siegtreffer zum glücklichen 1:0 bei Fortuna Düsseldorf warten. Der eingewechselte Sturmtank Erling Haaland traf in der fünften Minute der Nachspielzeit.

Obwohl sich Borussia Dortmund damit seine theoretische Meisterschaftschance wahrte, blieb Klubchef Hans-Joachim Watzke nahezu regungslos auf der Tribüne sitzen. Möglicherweise realisierte er zwei Dinge endgültig: Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, wird es der BVB auch künftig schwer haben, dem FC Bayern die Meisterschaft streitig zu machen. Und die Abhängigkeit von Haaland könnte in der kommenden Saison zum Problem werden.

Ohne den norwegischen Sturmtank hätten die Dortmunder das Spiel nicht gewonnen. Und sie hätten auch die erneute Teilnahme an der Champions League drei Spieltag vor dem Saisonende noch nicht sicher. Die ist durch Haalands Jokertor und die spätere Niederlage von Borussia Mönchengladbach frühzeitig perfekt. „Ich habe bis zum Schluss auf meine Möglichkeit gewartet. Die drei Punkte waren wichtig“, sagte der Matchwinner erfreut und räumte ein: „Natürlich war das glücklich. Good teams win on bad days“, wagte das Torphänomen einen Ausflug in die Fußball-Philosophie. Gute Mannschaften gewinnen auch an schlechten Tagen.

Kampf um Kai Havertz

Allerdings ist ein Haaland angesichts der Dortmunder Ansprüche zu wenig. Denn die Abhängigkeit vom 19 Jahre alten Norweger dürfte steigen, sollte Topscorer Jadon Sancho die Westfalen wie erwartet nach der Saison verlassen. Mit dem möglichen Transfererlös – erwartet werden rund 100 Millionen Euro – könnte der BVB beispielsweise das große deutsche Juwel Kai Havertz (Bayer Leverkusen) verpflichten. Doch an ihm ist auch der FC Bayern dran. Seinetwegen fing sich der gesperrte Thomas Müller einen Rüffel ein. Der am Samstag gesperrte Ex-Nationalspieler hatte mit Blick auf einen möglichen Havertz-Transfer gesagt, er finde es paradox, wenn man immer über Neuzugänge spreche und gleichzeitig Gehälter eingespart werden. Woraufhin ihn Sportdirektor Hasan Salihamidzic rügte. Müller habe sich „ein bisschen verdribbelt“. Es gebe keinen „internen Streit“ über einen Gehaltsverzicht im Zusammenhang mit zukünftigen Transfers, stellte Müller am Sonntag auf Twitter klar. sid/dpa/eb
© Südwest Presse 15.06.2020 07:45
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