Jetzt droht dem VfB Stuttgart der Totalschaden

Nach der 1:2-Niederlage im Derby beim Karlsruher SC ist jetzt auch Relegationsplatz drei in Gefahr. Die Verzweiflung wächst.
  • Kreuz und quer: VfB-Spieler Nicolas Gonzalz kommt gegen KSC-Torhüter Benjamin Uphoff zu spät. Foto: Wolfgang Frank/Eibner
Noch war alles möglich, doch Pellegrino Matarazzo schien die Hoffnung bereits aufgegeben zu haben. Mit verschränkten Armen saß der Chefcoach des VfB Stuttgart in der Nachspielzeit auf der Bank und schaute seinen Spielern zu, wie sie mit wachsender Verzweiflung die Bälle nach vorne droschen. Die Minuten ohne Torgelegenheit verstrichen, dann war die nächste und bislang schwerste Pleite perfekt.

Im so wichtigen Derby beim Karlsruher SC hat der VfB mit 1:2 (1:1) verloren und damit weiteren Boden im Kampf um den Aufstieg eingebüßt. „Das tut natürlich weh“, sagte Matarazzo. Dem großen Aufstiegsfavoriten droht der Totalschaden, der angesichts der jüngsten Leistungen alles andere als unrealistisch erscheint. „Wir werden weiter Gas geben“, so lautete hinterher die Durchhalteparole des VfB-Trainers.

Es ist eine erschütternde Bilanz, die der VfB in dieser Zweitligasaison aufzuweisen hat. Die Derby-Pleite beim KSC, die erste seit 2007, war bereits die neunte (!) Niederlage in dieser Saison. In den sechs Partien seit dem Ende der Corona-Zwangspause überzeugte Matarazzos Team nur in einer Halbzeit, den zweiten 45 Minuten gegen den HSV (3:2).

Wo soll sie also plötzlich herkommen, die ersehnte Leistungsexplosion im Saisonfinale? Die Versagensangst der Profis wird mit jedem missratenen Auftritt größer, das zeigte sich auch im Geisterspiel in Karlsruhe.

Mehr Mut und mehr Risikobereitschaft hatte Matarazzo nach dem 0:0 gegen den VfL Osnabrück von seiner auf drei Positionen umformierten Elf gefordert – und musste hinterher konstatieren: „Wir waren zu ängstlich.“

Nur ein paar Minuten dauerte es, bis die allgemeine Verunsicherung in der VfB-Mannschaft wieder um sich griff. Mit einem Fehlpass leitete Innenverteidiger Marcin Kaminski das 0:1 ein. Der Ex-Stuttgarter Marvin Wanitzek traf aus der Drehung, auch VfB-Torwart Gregor Kobel machte nicht die beste Figur (7.). „Das ist schwer zu erklären, wir alle hatten uns das ganz anders vorgestellt“, sagte Philipp Klement, der glücklos im zentralen Mittelfeld agierte, während Spielmacher Daniel Didavi aufgrund von Knieproblemen auch diesmal nicht im Kader stand.

Zwar zeigte der VfB nach dem frühen Rückstand so etwas wie eine Reaktion und kam durch einen von Nicolas Gonzalez verwandelten Foulelfmeter (35.) noch vor der Pause zum Ausgleich. Sonst aber bot sich das gewohnte Bild: Die Stuttgarter schafften es trotz spielerischer Überlegenheit nicht, den tief stehenden und leidenschaftlich kämpfenden Gegner in Bedrängnis zu bringen.

Der Zufall regierte – bezeichnenderweise – auch beim spielentscheidenden Tor durch Lukas Fröde (72.): Im Anschluss an eine Ecke und ein Gestochere im VfB-Strafraum bugsierte der aufgerückte KSC-Verteidiger den Ball über die Linie. „Das hat uns komplett aus dem Spiel gerissen“, sagte Matarazzo.
© Südwest Presse 15.06.2020 07:45
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