Serie Kriegsende vor 75 Jahren

Die frühere Schande gilt heute als Ehre

Die Unterlagen sollen ein Element der Erinnerungskultur in Ludwigsburg werden. Ein Konzept wird erarbeitet.
  • Zentrale Stelle: Früher Frauengefängnis. Foto: Hans Georg Frank
„Die Zentrale Stelle soll ein zentraler Baustein der zukünftigen Ludwigsburger Memorialkultur werden“, erklärte Matthias Knecht. Damit könne man „Extremismus und Populismus entgegenwirken“. Der Oberbürgermeister setzt sich dafür ein, dass das Archivgut in Ludwigsburg verfügbar bleibt „und nach wie vor qualifiziert betreut wird“, gemeint ist das Bundesarchiv. Dem OB, seit September 2019 im Amt, ist es „ein persönliches Anliegen, die Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen auch zukünftig mit Ludwigsburg in Verbindung zu bringen“, sagte Knecht der SÜDWEST PRESSE.

Damit unterscheidet er sich von einem seiner Vorgänger, Anton Saur, der die Zentrale Stelle noch 1968 als „Schandfleck in der Stadt“ bezeichnete. Die Ermittler waren als „Nestbeschmutzer“ zunächst unerwünscht, Mitarbeitern wurden Wohnungen verwehrt, Neonazis bereiteten einen Brandanschlag vor, Gefolgsleute eines SS-Generals drohten: „Wir kriegen euch.“

Ludwigsburg war ausgesucht worden, weil sich Baden-Württemberg unter den Bundesländern für diese Form der Strafverfolgung besonders stark gemacht hatte. Ein früheres Frauengefängnis bot sich als Quartier an.

Längst erfährt die Zentrale Stelle große Wertschätzung. „Es wird überall positiv gesehen, dass die Deutschen diese Ermittlungen zu Ende bringen – auch mit einem gewissen Erstaunen“, sagte Zentralstellenleiter Thomas Will. Für Ludwigsburg sei es „eine Bereicherung“. Der Name der Stadt werde durch die Berichte der Medien international bekannt.

Was mit den Akten geschehen wird, ist offenbar noch nicht endgültig klar. Im Gespräch ist ein Forschungs- und Gedenkort. Dafür gibt es konzeptionelle Überlegungen. Die Unterstützung von OB Knecht ist sicher: „Aufklärungsarbeit und das zur Verfügung stellen von verlässlichen Informationen sind heute wichtiger denn je.“ hgf
© Südwest Presse 15.06.2020 07:45
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