Trump-Wahlkampf vor halbleeren Rängen

Für den US-Präsidenten sollte die Kundgebung in Oklahoma die triumphale Rückkehr in den Angriff-Modus werden. Doch die angekündigten Massen blieben aus.
  • Von wegen Triumph: Leere Oberränge in Tulsa, Oklahoma. Foto: Nicholas Kamm/afp
Seit dem Ausbruch der Coronavirus-Pandemie im März war der Wahlkampf in den USA praktisch zum Stillstand gekommen – von Twitter-Eskapaden des US-Präsidenten Donald Trump abgesehen. Mit einer fulminanten Wahlkundgebung in Tulsa/Oklahoma wollte Trump nun einen Schlussstrich unter den virtuellen Wahlkampf ziehen.

Anhänger kamen aus allen Teilen des Landes. Hunderte von ihnen hatten schon am Mittwoch vor der BOK Sportarena ihre Zelte aufgeschlagen und auf Bürgersteigen geschlafen. Andere standen am Morgen der Kundgebung stundenlang mit aufgespannten Schirmen im strömenden Regen. Um keinen Preis wollten sie sich die Gelegenheit entgehen lassen, ihren Helden Trump wieder live zu erleben. Sein Team hatte getönt, dass „mehr als eine Million Menschen kommen wollten“, so viele Ticket-Anfragen habe es online gegeben.

Mike Fuller, der sieben Stunden aus Kansas angereist war, schwenkte ein riesiges Sternenbanner. Auf seinem T-Shirt steht „Trump Pence 2020“ und die Worte „Keep America Great“. Er sei gekommen, um Unterstützung für „unseren bisher größten Präsidenten“ zu zeigen, sagt Fuller. Eine Schutzmaske trägt er nicht. Darauf angesprochen, ob er denn in einer vollen Sporthalle Angst habe, mit dem Virus angesteckt zu werden, lacht der KfZ-Mechaniker. „Unser Präsident ist klug, wenn auch er keine Maske hat, dann werden wir alle bestimmt völlig sicher sein“.

So voll wird die Halle dann aber gar nicht. Das Publikum tobt dennoch, als Trump gegen 19 Uhr Ortszeit das Podium betritt. Wild gestikulierend nimmt er wie gehabt „fake Medien“ unter Beschuss, die angeblich Falschnachrichten verbreiten, um seine Wiederwahl zu verhindern. Er geißelt Erzrivale Joe Biden als alt, vergesslich und inkompetent. Er nennt ihn eine „Marionette der radikalen Linken“, schimpft über das „chinesische Virus“ und behauptet stolz, „einen phänomenalen Job“ im Kampf gegen die Pandemie gemacht zu haben. Das Publikum ist begeistert.

Doch der Abend ist trotzdem eine Enttäuschung für Trump. Viele der 19 000 Plätze blieben leer, die Arena war nur etwa zu zwei Dritteln gefüllt – und vor der Bühne im Freien, wo jene Fans stehen sollten, die keinen Platz in der Halle mehr fanden, herrschte gähnende Leere. Von den angeblich hunderttausenden Ticket-Inhabern keine Spur. Trumps Kampagne behauptete, dass Demonstranten der „Black Lives Matter“ Bewegung die Besucherzahlen gedrückt hätten. Doch von den Gegendemonstranten kamen nur wenige hundert. Medienberichten zufolge sollen Jugendliche im sozialen Netzwerk TikTok durch tausende Online-Reservierungen für die überhöhten Erwartungen an die Zuschauerzahlen gesorgt haben – um Trump zu blamieren. Peter DeThier
© Südwest Presse 22.06.2020 07:45
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