Gewaltexzess: Hunderte Randalierer wüten in Stuttgart

Aufgebrachter Mob liefert sich Straßenschlachten mit der Polizei. Geschäfte werden geplündert, 19 Beamte verletzt.

  • Symbolbild: Pixabay

Hunderte Randalierer sind in der Nacht auf Sonntag durch die Stuttgarter Innenstadt gezogen und haben ein Bild der Verwüstung hinterlassen. Bis in die frühen Morgenstunden waren die Gewalttäter nach Angaben der Polizei in der City unterwegs, beschädigten und plünderten dutzende Geschäfte, warfen Pflastersteine und griffen Polizisten an. 19 Beamte wurden verletzt.

Bis zu 500 Personen hätten sich an den Krawallen beteiligt, sagte Vizepolizeipräsident Thomas Berger am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Politische Motive sehe man zum jetzigen Zeitpunkt nicht hinter den Ausschreitungen, sagte Polizeipräsident Franz Lutz, der von einer „nie da gewesenen Dimension von offener Gewalt gegen Polizeibamte“ sprach. Vielmehr mache man Partygänger aus der Stuttgarter Eventszene für die Eskalation verantwortlich. 24 Verdächtige wurden bislang festgenommen – vornehmlich junge Männer, zwölf davon mit deutschem Pass, zwölf weitere mit ausländischem. Berger sprach mit Blick auf die Nationalitäten von einem „bunten Mix um den Globus“.

Eskaliert war die Situation nach Angaben der Polizei, als Beamte im Oberen Schlossgarten einen 17-jährigen Deutschen wegen eines Drogendelikts kontrollieren wollten. Sofort hätten sich Umstehende aus der örtlichen Partyszene mit dem Teenager solidarisiert. Erst mithilfe von weiteren Kräften aus dem Umland gelang es nach Stunden, die Situation zu beruhigen. Insgesamt waren 280 Beamte im Einsatz.

Der Exzess löste allgemeines Entsetzen aus. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sprach von einem „brutalen Ausbruch der Gewalt“, Innenminister Thomas Strobl (CDU) sagte dieser Zeitung, dass man „gegen die Randalierer mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln des Rechtsstaats vorgehen“ werde. Sascha Binder, Innenexperte der SPD-Landtagsfraktion, sprach von bürgerkriegsähnlichen Zuständen.

Kommentar Südwestumschau

© Südwest Presse 22.06.2020 07:45
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