1. FC Heidenheim gegen HSV

HSV in letzter Minute ausgeknockt

Was für ein Spiel! Der 1. FC Heidenheim gewinnt den Aufstiegsgipfel in der Nachspielzeit. Nach dem 2:1-Sieg gegen schwächelnde Hamburger schnuppert der FCH an der Bundesliga. V
  • Heidenheimer Freude: Patrick Mainka (links) bejubelt den 2:1-Siegtreffer von Konstantin Kerschbaumer (Mitte). Foto: Tom Weller/dpa
Lange hatte sich Frank Schmidt geweigert, über die Aufstiegschancen seines Teams zu sprechen. Vor dem vorletzten Spieltag wagte sich der erfahrene Coach des 1. FC Heidenheim dann doch aus der Deckung. Man wolle das „emotionale Momentum nutzen“, den Hamburger SV schlagen und auf Relegationsplatz drei klettern, sagte Schmidt. Gesagt, getan? Und wie! Dank eines Last-Minute-Treffers von Konstantin Kerschbaumer gewann der FCH am Sonntag eine irre Begegnung mit 2:1, in der alles drin war und das man gerne in einem rappelvollen Stadion verfolgt hätte.

„Es ist unfassbar, dass wir nicht aufgegeben haben“, sagte ein beseelter FCH-Coach Schmidt hinterher. „Das Spiel war ein Erlebnis.“ Sein Team habe stets an den Sieg geglaubt. „Das hat am Ende den Ausschlag gegeben.“

Die Gastgeber begannen diesen Aufstiegsgipfel im eigenen Stadion in der Tat so, als ob sie ihre historische Chance auf den Bundesliga-Aufstieg nutzen wollten. Der FCH griff früh an, setzte den HSV unter Druck. Dieser benötigte einige Minuten, um sich auf die Attacken des Gegners einzustellen, spielte dann aber sein spielerisches Potenzial durchaus eindrucksvoll aus. Hamburg übernahm die Spielkontrolle und hätte früh in Führung gehen können. Gideon Jungs Kopfball klatschte aber an den Pfosten (7.).

Die Gäste agierten zunächst souverän. Fast jeder Angriff lief über Kapitän und Regisseur Aaron Hunt, dessen versiert getretenen Eckbälle und Freistöße für Gefahr vor dem FCH-Kasten sorgten. Vorne rochierten bei den Hanseaten Ex-VfBler Martin Harnik und der Finne Joel Pohjanpalo, über außen stieß immer wieder Tim Leipold vor. Heidenheim hielt mit viel Einsatz dagegen, lauerte auf HSV-Fehler. Nach vorne ging aber erstmal nicht allzu viel. Torjäger Tim Kleindienst hing in der Luft.

Nach der Pause erwischte Hamburg einen Blitzstart und lag alles in allem verdient mit 1:0 vorne: Harnik verlängerte den Ball per Kopf, Joel Pohjanpalo setzte sich im Sprint energisch durch und ließ FCH-Keeper Kevin Müller aus acht Metern keine Abwehrchance. Gerade einmal 20  Sekunden waren da in der zweiten Halbzeit gespielt.

Heidenheims Coach Schmidt reagierte sofort, brachte mit Stefan Schimmer und Denis Thomalla zwei frische Offensivkräfte. Und siehe da, die Gastgeber waren zur Stelle: Niklas Dorsch scheiterte am klasse reagierenden HSV-Keeper Julian Pollersbeck, dann traf Stefan Schimmer. Doch der Videoschiedsrichter kassierte den Ausgleichstreffer. Heidenheims Mittelfeldspieler Sebastian Griesbeck hatte den Ball zuvor an den Arm bekommen – was als Handspiel gewertet wurde. Eine knifflige Entscheidung.

Von diesem Zeitpunkt an waren die Gastgeber drin in diesem Spiel. „Am Ende wird das Ding im Kopf entschieden“, hatte Heidenheims Routinier Marc Schnatterer vor dem Spiel gesagt. Der 34-Jährige sollte Recht behalten. Der FCH glaubte bis zum Schluss an den Sieg, während der favorisierte HSV das Flattern bekam.

FCH-Boss total happy

Als FCH-Angreifer Tim Kleindienst mit Hilfe von HSV-Abwehrspieler Louis Beyer nach 80 Minuten den Ball zum 1:1 über die Linie stocherte, waren die Hausherren bereits drauf und dran, das Spiel zu drehen und den HSV von Platz drei zu verdrängen. Dann jedoch sah es so aus, als würde der HSV, dem nun zunehmend die Kräfte ausgingen, zumindest das 1:1 über die Zeit bringen.

Doch dann kam die fünfte Minute der Nachspielzeit, die man in Heidenheim wohl nicht vergessen wird. Über Marc Schnatterer und Stefan Schimmer kam der Ball zum eingewechselten Konstantin Kerschbaumer, der trocken zum 2:1 einschoss. Der Jubel kannte keine Grenzen bei Spielern und Betreuern aus Heidenheim. Der FCH hat nun einen Zähler Vorsprung auf den HSV – und es am letzten Spieltag bei Meister Bielefeld in der Hand. Mit einem Sieg wäre dem Schmidt-Team der Relegationsplatz nicht mehr zu nehmen. In der Relegation gegen den Bundesliga-16. (Werder Bremen oder Fortuna Düsseldorf) ginge es dann um einen Platz im Fußball-Oberhaus.

„Ein bitterer Nachmittag für uns – mal wieder“, sagte ein enttäuschter HSV-Coach Dieter Hecking. Erneut hatte sein Team ein Last-Minute-Tor hinnehmen müssen. Den Heidenheimer Siegtreffer habe man selbst verschuldet. „Da haben wir schlecht verteidigt.“

FCH-Boss Holger Sannwald jubelte. „Jetzt ist die Chance noch größer, Platz drei zu erreichen“, sagte er. „Ich bin total happy.“
© Südwest Presse 22.06.2020 07:45
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