Keine drei Abos nötig

Am Montag werden die Medienrechte neu vergeben. Sky und DAZN kommen zum Zug, Amazon bleibt außen vor. Die Bundesligisten müssen mit Mindereinnahmen rechnen.
  • Knapp 1,2 Milliarden Euro pro Saison erlösten die Klubs bislang durchschnittlich für die Medienrechte im deutschsprachigen Raum. Wackelt nun die Milliarden-Grenze? Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Es ist die Rede vom „wichtigsten Vertrag des deutschen Fußballs“, Christian Seifert spricht gerne vom „begehrtesten Medienrecht des Landes“. Und so richten sich die Blicke an diesem Montag gebannt nach Frankfurt, wenn der DFL-Boss die entscheidenden Zahlen für die Zukunft der deutschen Profiklubs präsentiert.

Die spannendste Frage der Medienrechte-Vergabe wird sein, ob die Milliarden-Marke erneut geknackt wurde – oder ob die Coronakrise der Hatz nach immer weiteren Rekordeinnahmen einen Riegel vorgeschoben hat.

Wer das Rennen bei der Auktion um die Medienrechte im deutschsprachigen Raum für die Spielzeiten von 2021/22 bis 2024/25 gemacht hat, war schon zuvor durchgesickert. Wie Bild am Sonntag und das Fachmagazin Kicker berichteten, soll sich Sky die Rechte an den Spielen am Samstagnachmittag sowie den Wochenspieltagen (Dienstag und Mittwoch), der Relegation zur Bundesliga und den Konferenzen gesichert haben. Die 106 Freitags- und Sonntagsspiele laufen demnach auf der Streaming-Plattform DAZN.

Sportschau berichtet weiter

Was für die Fans eine gute Nachricht wäre – schließlich bräuchten sie nicht wie schon befürchtet drei Abos, um alle Livespiele zu sehen. Auch die Free-TV-Zusammenfassungen in der ARD-Sportschau und im ZDF-Sportstudio bleiben.

Nachdem der Pay-TV-Sender Sky schon bei den Champions-League-Rechten ab 2021 das Nachsehen gegenüber DAZN und Amazon Prime hatte, muss er auch beim Aushängeschild Bundesliga immer mehr vom Kuchen abgeben. Bislang überträgt DAZN, das sich als Gewinner der Auktion sehen dürfte, 40 Livespiele pro Saison im Oberhaus.

Doch nicht nur die Sky-Verantwortlichen, die sich zumindest wieder die Livespiele der 2. Liga (die neu eingeführten Partien am Samstagabend laufen laut kicker parallel bei Sport1) gesichert haben sollen, auch die Bosse der 36 Profiklubs könnten die Ergebnisse am Montag mit verbitterter Miene vernehmen. Der „Kicker“ hatte bereits von „hohen Mindereinnahmen“ berichtet.

In der laufenden Periode 2017/18 bis 2020/21 erlösten die Klubs durchschnittlich knapp 1,2 Milliarden Euro pro Saison (4,64 Milliarden insgesamt) für die Rechte im deutschsprachigen Raum. Die erhoffte Steigerung in Richtung von 1,35 Milliarden schien inmitten der Coronakrise ohnehin utopisch, der Kicker schrieb am Sonntag insgesamt von „maximal zwischen 4,2 und 4,4 Milliarden Euro“ für die vier Jahre.

Online-Riese Amazon, der im Vorfeld der Ausschreibung als möglicher Preistreiber nach oben galt, soll sich bei sämtlichen Live-Paketen überraschenderweise zurückgehalten haben. Auch andere Schwergewichte wie Netflix, Facebook, YouTube, Apple oder Disney hatten sich offenbar – anders als von Seifert erhofft – nicht entscheidend in den Bieterwettstreit eingemischt.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will sich vor der Bekanntgabe der Zahlen am Montag offiziell nicht äußern. Welche Bedeutung die Medienrechte als mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der Vereine haben, wurde aber durch die drohenden Insolvenzen aufgrund der ausbleibenden Zahlungen während der Corona-Zwangspause schon mehr als deutlich. sid
© Südwest Presse 22.06.2020 07:45
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