Kündigen mit digitalen Helfern

Dienstleister helfen dabei, Verträge zu beenden und neue Angebote zu finden. Das kann nützlich sein, doch Verbraucher schaffen das auch alleine.
Verträge für Streaming-Dienste, Handy-Apps, Mobilfunk, Versicherungen und mehr: Angesichts der Fülle an Online-Zugängen, Abos und Verträgen mit unterschiedlichen Kündigungsfristen können Verbraucher schon einmal den Überblick verlieren. Im Internet gibt es Dienstleister, die ihre Unterstützung anbieten.

So schreibt ein Leser unserer Zeitung, dass seine Mutter mit Hilfe einer Vertragsverwaltungs-App versucht hat, einen Vertrag zu kündigen. Für eine einfache Kündigung wollte der Anbieter 6 EUR. „Häufig versuchen Drittanbieter durch das Anbieten solcher Dienstleistungen Menschen, gerade älteren Personen, Geld aus der Tasche zu ziehen“, beklagt der Leser.

Das von ihm benannte Unternehmen ist Volders, einer der großen Anbieter von Dienstleistungen rund um Verträge und Kündigungen. Daneben gibt es noch Aboalarm, kündigen.de und auch mehrere Vergleichsportale, die in diesem Markt mitmischen.

Neue Angebote, bessere Tarife

Die Dienstleister bieten teilweise auch an, laufende Verträge zu überwachen und den Kunden an Kündigungsfristen zu erinnern. Auf Wunsch werden auch neue Angebote oder bessere Tarife vorgeschlagen.

Bei Volders reagiert man erstaunt auf den Vorwurf: „Wir führen etwa 60 000 Kündigungen pro Monat durch. Bisher haben wir von Kunden noch nicht die Rückmeldung erhalten, dass die Gebühren für unsere Dienstleistung nicht ausreichend ersichtlich sind“, sagt Gründer Jan Ansink. Er erklärt das Geschäftsmodell: Das Unternehmen finanziere sich über Provisionen, welche von den neuen Vertragspartnern ausgeschüttet werden und Gebühren, die für die Kündigungen von Verträgen anfallen.

Die Nutzung der Vertragsmanager-App ist kostenlos. Beauftragt der Kunde das Unternehmen damit, in seinem Namen einen Vertrag zu kündigen, fällt eine Gebühr zwischen 5,95 EUR und 10,50 EUR an – je nachdem, ob ein Einschreiben erforderlich ist oder ein Brief reicht.

Verbraucherschützer Oliver Buttler hat sich das Angbot angesehen. 6 EUR für eine Kündigung zu verlangen wie Volders „mag gerade noch okay sein“, sagt er. Volders habe seinen Sitz und laut eigenen Aussagen auch die Server mit den Kundendaten in Deutschland. Das sei positiv.

„Prinzipiell kann man natürlich einen Dienstleister einschalten, der die Kündigungen für einen übernimmt“, sagt Buttler. Doch das könne man auch selbst machen. Oft gebe es vorgefertigte Musterschreiben kostenfrei im Internet, in die man nur die persönlichen Daten eintragen müsse. „Diese Daten muss man ja eh raussuchen, auch wenn man das Angebot eines Dienstleisters nutzt“, gibt Buttler zu bedenken. Jeder müsse für sich selbst entscheiden, ob und in welchen Fällen es sinnvoll sei, einen Dienstleister einzuschalten.

Im Jahr 2016 hat der Gesetzgeber die Kündigung von Verträgen deutlich vereinfacht. Seither müssen Verbraucher ihre Absichten nur noch in wenigen Ausnahmen mit einer Unterschrift bestätigen – wie bei Miet- und Arbeitsverträgen oder notariell beurkundeten Verträgen, die etwa für den Kauf von Grundstücken – oder eine Eheschließung nötig sind. Das heißt, es reicht im Normalfall eine Email, eine SMS, ein Fax oder sogar eine Chatnachricht. Zuvor hatten viele Unternehmen diese Form nicht akzeptiert.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband weist allerdings darauf hin, dass auch in dieser eher informellen Form der Kündigung gewisse Standards nicht fehlen dürfen – wie unter anderem eine genaue Identifizierung durch Kunden- und Vertragsnummer und eine Bestätigung über den Versand der Kündigung, wie beispielsweise ein Ausdruck mit Datum oder eine Kopie der Mail.
© Südwest Presse 22.06.2020 07:45
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