Facebook will stärker gegen Hassbotschaften vorgehen

Mark Zuckerberg reagiert auf Kritik. Mehrere Großkonzerne setzen Werbung aus. Kretschmann schließt Facebook-Seite wegen Attacken von „Corona-Rebellen“.
Der Protest gegen den Umgang von Facebook mit Hasskommentaren zeigt Wirkung. Das Online-Netzwerk will künftig problematische Posts von Politikern markieren. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg kündigte zudem an, bezahlte Anzeigen mit rassistischen oder diskriminierenden Inhalten – also auch Wahlwerbung – zu untersagen. Verboten werden sollen Behauptungen, wonach Menschen aufgrund ihrer Ethnie, Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung „eine Bedrohung für körperliche Sicherheit, Gesundheit oder das Überleben anderer darstellen“. Auch sollen Einwanderer und Asylbewerber vor Anzeigen geschützt werden, die sie als minderwertig darstellen.

Botschaften von Politikern will Facebook markieren, wenn diese gegen die Regeln des Netzwerkes verstoßen. Botschaften, die zu Gewalt oder einer Unterdrückung des Wahlrechts führen könnten, würden gelöscht, schrieb Zuckerberg. Er verwies auf den Wahlkampf für die US-Präsidentschaftswahl im November, der besonders „hitzig“ werden dürfte. Zuletzt hatten wiederholt Posts von US-Präsident Donald Trump für Wirbel gesorgt. Während Twitter mehrere Tweets des Präsidenten mit einem Warnhinweis versah, wurde Facebook vielfach kritisiert, weil das Netzwerk keine Maßnahmen ergriff.

Gut 90 Unternehmen schlossen sich inzwischen einem Aufruf zum Werbeboykott auf Facebook und teilweise auf anderen sozialen Netzwerken an, darunter Unilever und Coca Cola.

Derweil bekam auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu spüren, wie Facebook für massive Attacken genutzt wird. Das Staatsministerium nahm die Facebook-Seite des Grünen am Wochenende vorübergehend vom Netz. Sie sei nach Veröffentlichung des jüngsten Podcasts von Kretschmann ununterbrochen von sogenannten „Corona-Rebellen und Verschwörungsideologen“ angegriffen worden, teilte das Ministerium mit. Weit mehr als 4000 Kommentare von „Störern“ seien gezählt worden. dpa/afp

Kommentar
© Südwest Presse 29.06.2020 07:45
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy