Guten Morgen

Drum besser wär’s ...

Bernd Müller über die Suche nach Trost in Volksmund und Dichterwort

Zu Hunderten warten sie in Zitatsammlungen auf ihren nächsten Arbeitseinsatz, für Glückwunschkarten, Geburtstagseinladungen, Trauerbriefe: Dichterworte und Weisheiten aus dem Volk. Erhebende, heitere, beschönigende – alles dabei. Natürlich auch der Klassiker schlechthin: tröstliche.

Wenn einem vor Aufregung ganz schlecht ist, weil man irgendwo zum ersten Mal antreten muss: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Fehler gemacht? Kann passieren, denn schließlich: „Es irrt der Mensch, solang er strebt!“ Stress als Bauherr? „Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ Apropos bauen: Seit auf dem Nachbargrundstück ein Bagger angerückt ist, ist mein Trostbedarf sehr gestiegen. Weil die Kinder mitgekriegt haben, was da Tolles, ja unbedingt Nachahmenswertes, finden sie, entsteht. „Seufz“, würde Donald Duck sagen, und Goethes Mephisto könnte hinzuzufügen: „Drum besser wär’s, dass nichts entstünde … “. Und da ist noch ein Sätzlein aus dem Volksmund, das ich nur nicht mehr ganz zusammenbringe. Irgendwie so: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn sich der Nachbar einen Swimmingpool baut.“

© Schwäbische Post 29.06.2020 22:30
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