Riechen – Fühlen – Schmecken

Weinexperte Alfons Wiedemann erläutert, worauf es bei einer Weinverkostung ankommt.
  • Alfons Wiedemann, Weinexperte und Geschäftsführer des Weinmarkt Grieser. Foto: W. Grandjean

Eine Blindweinverkostung ist alles andere als einfach. Um die Frucht- und Gewürznoten zu erschmecken, haben Sommeliers ihre eigenen Tricks. Weinexperte Alfons Wiedemann verrät sie.

Worauf kommt es bei einer Blindweinverkostung an?

Alfons Wiedemann: Wichtig ist, dass man die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen riecht, fühlt und schmeckt. Man muss sich Zeit nehmen. Zuerst setzt man sich mit dem Geruch und der Farbe auseinander. Vielleicht erkennt man dann sogar die Nuancen, die der Kellermeister dem Wein mitgibt. Das wäre was ganz Besonderes.

Zur Farbe. Die ist ja bei jedem Wein anderes. Mal heller, mal dunkler. Was sagt die Farbe über den Wein aus?

Wir erkennen an der Farbe die Dichte des Weins und die Traubensorte. Ein Trollinger beispielsweise ist ein leichter Wein, sein Rot ist hell. Ein Cabernet dagegen ist schwerer, hat eine sehr dunkle Farbe, ist rubinrot bis lila. Und ein Merlot schimmert eher im burgunderrot mit viel Glanz in der Farbe.

Weinkenner schwenken das Glas, riechen daran und erst danach kosten sie den ersten Schluck. Warum?

Das hat mit der Frucht im Wein zu tun. Durch das Schwenken öffnet sich die im Wein gebundene Frucht im Glas und der Geruch ist viel deutlicher zu erkennen.

Zum Schmecken: Wie macht es der Fachmann? Bringt er viel Wein in den Mund oder extra wenig?

Das kommt darauf an, ob der Wein verschlossen ist oder schon vorneweg geöffnet. Wenn der geöffnete Wein in den Mund kommt, läuft er mitunter schon sehr breitbeinig durch den Gaumen. Verschlossene Weine dagegen erkennt man besser durchs Schlürfen. Das bedeutet, dass man etwas Luft dazu gibt, um diesen Wein deutlicher zu öffnen.

Soll ich eigentlich zwischen den einzelnen Weinen immer Wasser trinken?

Als Weinliebhaber sage ich, das Wasser ist natürlich nur für den Durst sinnvoll. Zwischen den Tests trinke ich kein Wasser, denn das beeinflusst mir Gaumen zu stark.

Wie sieht es mit einem kleinen Stück Brot zwischendrin aus?

Brot ist in Ordnung. Aber beim Testen bitte nur Weißbrot. Brot mit Sauerteig hätte einen zu großen Eigengeschmack, der den Geschmack des Weines verfälscht. Ideal zum Testen ist ein Baguette.

© Schwäbische Post 30.06.2020 14:17
468 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy