Dr. Joachim Bläse als Landrat gewählt

Minutenprotokoll aus der Stadthalle zum Nachlesen - starke Mehrheit für Gmünds Ersten Bürgermeister

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  • Freunde bei Joachim Bläse. Foto: Oliver Giers
  • Unter dem Ostalb-Schirm. Foto: Oliver Giers
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17.15 Uhr: Landrat schließt nun die Sitzung - mit einer Mahnung: "Ich bitte Sie den neuen Landrat nicht zu umarmen - auch nicht seine Frau - und ihm nicht die Hand zu geben. Bitte halten Sie die Spielregeln ein. Wir sind auch Vorbilder für andere." Ab dem 12. September sei dann Bläse dafür zuständig, dass die Corona-Zahlen im Ostalbkreis nicht stark ansteigen. Damit beenden wir diesen Liveticker. Einen ausführlichen Bericht und einen Kommentar zur Wahl lesen Sie später am Abend unter www.schwaepo.de und www.tagespost.de und am Mittwoch in der gedruckten Schwäbischen Post und Gmünder Tagespost. 

17.15 Uhr: Bläse bedankt sich jetzt auch bei seinem Dezernat in der Stadtverwaltung Gmünd. "Ohne die hätte ich diesen Weg nicht gehen können", sagt er. Bläse bedankt sich jetzt auch persönlich bei Landrat Klaus Pavel, der zusammen mit seinen Mitarbeitern diese Wahl trotz Corona ermöglicht haben und den Landkreis "top aufgestellt" hätten. 

17.10 Uhr: Bläse steht jetzt wieder am Rednerpult: "Man war ich aufgeregt!" Er möchte fünffach Danke sagen. "Mir sind vorher echt die Tränen runtergelaufen", sagt er. Er habe es nicht geglaubt, dass er als Bürgermeister einer großen Kreisstadt - dazu  noch aus Gmünd - irgendwann einmal Landrat sein werde. "Wir haben gezeigt, dass wir zusammenarbeiten können", sagt Bläse, der sich erneut beim Kreisrat für das Vertrauen bedankt. "Das ist sensationell!", sagt Bläse, der sich auch bei seiner Frau Claudia bedankt, die ihn immer begleitet habe. 

16.55 Uhr: 64 Stimmen für Dr. Joachim Bläse! Stehender Applaus von allen Kreisräten. Damit ist Dr. Joachim Bläse als Landrat im ersten Wahlgang gewählt. Zwei Stimmen gingen an Bauer, eine Stimme für Reinhard. Fünf Stimmen waren ungültig. 

Landrat Klaus Pavel zu Bläse: "Ich darf Ihnen herzlich gratulieren und wünsche Ihnen alles erdenklich Gute!" Bläse steht mit seiner Ehefrau vorne, die Kreisräte applaudieren nun rhythmisch im Stehen. "So oft gibt es das in den nächsten Jahren nicht", sagt Pavel und schmunzelt. "Sie dürfen Stolz sein, dieses Amt mit so überwältigender Mehrheit erreicht zu haben. Darauf kann man aufbauen. Willkommen im Landratsamt", sagt Pavel. 

Nun gibt es Ellbogenchecks und Blumensträuße als Gratulation.

Pavel ruft zu Disziplin und bittet alle Kreisräte, sich wieder hinzusetzen. "Wir wollen die Sitzung doch ordentlich zum Abschluss bringen." Dafür gibt es Prosecco und Orangensaft an den Tischen. Eine Jubelprozession, angefeuert von Gmünds OB Richard Arnold mit blau-gelben Luftballonen wird damit gestoppt und muss am Rande noch etwas warten. 

16.53 Uhr: Alle drei Kandidaten kommen zurück. "Es gibt keinen zweiten Wahlgang", sagt Pavel. Die Auszählung ist damit beendet. 

16.49 Uhr: Die Stimmabgabe ist beendet, die Zählkommission startet jetzt das auszählen der Stimmzettel.

16.23 Uhr: Alle Kreisräte müssen mit Mundschutz zur Wahlkabine. Rechts geht's auf die Bühne, links wieder runter. Kurzes Zwischenfazit: Alle drei Kandidaten haben sich gut, strukuriert und mit einigen Ideen präsentiert. Allerdings stellt nur die CDU-Fraktion im Kreistag mit ihrem Vorsitzenden Bläse einen eigenen Kandidaten. 

16.22 Uhr: Pavel erinnert: Der Stimmzettel ist zu falten. 37 Stimmen sind für eine Mehrheit notwendig. Die Kreisräte werden nun alphabetisch in die Kabinen gerufen. Gmünds OB Richard Arnold macht den Anfang. 

16.20 Uhr: "Alle Kandidaten haben sich mächtig angestrengt", sagt Pavel. Jetzt startet das Wahlverfahren. Die Wahlkabinen und -urnen werden noch einmal kontrolliert. Alles in Ordnung. 

16.17 Uhr: Reinhard schließt mit den Worten: "Ein parteiloser Landrat ist eine große Chance für den Ostalbkreis!" Auch dafür bekommt der dritte Bewerber Applaus. Es gibt keine Fragen. Die Kandidaten müssen nun wieder draußen warten und werden später wieder hereingerufen. 

16.15 Uhr: "Was die Verwaltungsstruktur im Landratsamt angeht, sehe ich derzeit keinen Veränderungsbedarf. Ich lege Wert darauf, dass die Verwaltung qualitativ sehr gut, motiviert, bürgerorientiert und in erster Linie effizient arbeitet", sagt Reinhard. 

16.12 Uhr: Reinhard versichert seine "vollste verwaltungstechnische Unterstützung" bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Beispielhaft nennt er den Stellenabbau bei Bosch AS in Gmünd. Er plädiert für eine geringfügige Senkung der Kreisumlage, damit die Kommunen finanzielle Spielräume erhalten.  

16.08 Uhr: Reinhard bekennt sich zu den Klinikstandorten. Doch die Auslastung von 80 Prozent müsse noch weiter gesteigert werden. Wie das gelingen soll, müsse intensiv geprüft werden. Eine mögliche Lösung seien mdeizinische Schwerpunkte zu bilden. 

16.06 Uhr: "Mir ist bekannt, dass Sie sich bereits vor Bewerbungsende auf einen meiner Mitbewerber verständigt haben. Allerdings bin ich der Meinung, dass zu einer demokratischen Wahl eine reale Möglichkeit der Auswahl gehört. Und es entspricht auch nicht meinem Demokratieverständnis, wenn politisch Verantwortliche sich bereits vor Bewerbungsende fraktionsübergreifend auf einen Kandidaten verständigen", sagt Reinhard. 

16.02 Uhr: Harald Reinhard, bei dem sich Pavel wie bei allen Kandidaten für sein Interesse an der neuen Aufgabe bedankt, ist 54 Jahre alt und hat drei Kinder im Alter zwischen 21 und 27.  Er verweist auf eine 26-jährige Leitungserfahrung in der öffentlichen Verwaltung. Unter anderem als Schulleiter, Kulturdezernent und in den letzten acht Jahren als parteiloser Bürgermeister. 

16 Uhr: Jetzt ist der dritte Bewerber Harald Reinhard aus Buchenbach im Südschwarzwald dran, der von draußen hereingeholt wird. 

15.57 Uhr: Auch Gremien- und Führungskompetenzen bringe Bauer aus der Wirtschaftsregion Erfurt ebenfalls mit. "Haben Sie Lust auf Zukunft?", fragt Bauer und ergänzt zum Schluss: "Dann haben Sie Mut auf Zukunft." Ebenfalls Applaus von allen Kreisräten. Eine Frage stellt Dr. Susanne Garreis (Grüne). Wie wollen Sie mit uns ins Gespräch kommen? Im Vorfeld hatte sich der Bewerber nicht in der Fraktion vorgestellt. "Ich bevorzuge den direkten Weg der Kommunikation", sagt Bauer, der sich mit allen Fraktionen zusammensetzen möchte. 

15.54 Uhr: Er möchte ein nachhaltiges Kreisentwicklungskonzept erarbeiten, "auf das sie alle stolz sein können". Das Digitale sei hierbei unerlässlich. Ohne schnelles Internet sei dies nicht möglich. Ein Gigabit-Breitbandnetz sei dafür nötig - der Ostalbkreis liege hier laut Breitbandatlas noch recht weit hinten. 

15.48 Uhr: Volkmar Bauer ist parteilos und in Erfurt (Thüringen) verantwortlich für die Wirtschaftsstrategie der Landeshauptstadt. Einer der Gründe, warum er sich nun auch im Ostalbkreis beworben habe: "Die Wertschätzung im eigenen Haus fehlt." Sein Arbeiten werde geprägt sein von Respekt. 

15.47 Uhr: Demokratie lebe vom Wechsel, sagt Bauer. Der Wirtschaftsgeograph verweist auf seine Kompetenz in diesem Bereich. Er sei ein Mensch zum Anfassen - außer in Zeiten von Corona. Er wolle ein Mitarbeiter in der Kreisverwaltung sein - "kein Grüßaugust". Alle sollen mitgenommen werden. Der gebürtige Bayer ist mit einer Mainzerin verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. 

15.42 Uhr: Bläse ist jetzt fertig, starker Applaus aus allen Fraktionen. Fragen gibt es keine. Nun ist  Volkmar Bauer aus Amt Wachsenburg in Thüringen dran, Bläse muss zurück in den abgetrennten Bereich. 

15.40 Uhr: Weitere Punkte, die Bläse streift, sind der Strukturwandel im Bereich der Digitalisierung, Wirtschafts- und Strukturförderung, Arbeiten und Wohnen, Klimaschutz, das Soziale. Beifall gibt es für Bläse nach diesem Satz: "Diese Aufgabe würde ich auch deshalb zuversichtlich angehen, da ich weiß, dass in der Landkreisverwaltung und in den Betrieben/Unternehmen des Kreises hochmotivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind, auf die ich mich verlassen kann. Diese Zuversicht besteht auch deshalb, weil der amtierende Landrat den Ostalbkreis hervorragend aufgestellt hat. Dafür gilt ihm mein, dafür gilt ihm unser aller Dank."

15.37 Uhr: Im Ostalbkreis sollen die Veränderungen aktiv und innovativ als Gemeinschaft angegangen werden, so Bläse. Er betont die Gemeinschaft mehrfach. Mit den 42 Städten und Gemeinden, mit allen Beteiligten, auch im Kreistag über Parteigrenzen hinweg. Auch die Pflichtaufgaben des Kreises bedürfen mehr Aufmerksamkeit, wie Bevölkerungs- und Katastrophenschutz. Bläse kann sich auch ein "Resilienz Zentrum Ostalbkreis" vorstellen. Da die finanziellen Rahmenedingungen schwieriger werden, soll der Kreishaushalt später eingebracht werden, um nach der August- und Novembersteuerschätzung verlässlichere Zahlen zu haben.

15.32 Uhr: Der Ostalbkreis stehe vor vielen Veränderungen. Bläse nennt dazu: demographische Veränderungen, Zuwanderung, Klima und Klimaschutz, die Absatz- und Vertrauenskrise im Bereich der Automobilindustrie und die Folgen der Corona-Pandemie. Es sei ein Jahrzehnt der Veränderungen. "Doch für uns ist das Glas nach wie vor "halb voll", sagt Bläse. 

15.29 Uhr: Bläse betont die Einheit des Ostalbkreises. "Wenn sich nun aber einer bewirbt, der quasi ein Kind dieses Kreises ist, aus dem Gmünder Raum und aus der Mitte des Kreistags kommt, so ist dies sicherlich für den Ostalbkreis etwas Besonderes. Wer hätte dies vor rund 50 Jahren als der Ostalbkreis gegründet wurde, wer hätte dies noch vor 20 Jahren geglaubt? Doch dass dies heute möglich ist, zeigt die Erfolgsgeschichte dieses Ostalbkreises."

15.27 Uhr: Bläse: "In den vergangenen rund 15 Jahren meiner Zugehörigkeit zum Kreistag stand ich schon des Öfteren vor Ihnen und müsste eigentlich die Situation kennen und nicht nervös sein. Doch dies heute ist für mich ein ganz besonderer und emotionaler Moment." Die Bewerbung sei der bisherige berufliche Höhepunkt in seinem Leben. 

15.26 Uhr: Die Kandidatenvorstellung beginnt. Den Anfang macht der erste Bewerber - Dr. Joachim Bläse, Gmünds Erster Bürgermeister. Die anderen Kandidaten dürfen dabei nicht dabei sein. 

15.25 Uhr: Wegen Corona ist diese Wahl komplizierter. Deshalb erläutert Pavel die Regeln ausführlich. Beim Auszählen später gilt eine Mundschutzpflicht. Die Redezeit der Kandidaten darf maximal 15 Minuten betragen. Auf der Bühne stehen zwei Wahlkabinen. Drei Wahlgänge sind vorbereitet - und Lose. Pavel hat sein Los von vor 24 Jahren noch. Kaum jemand rechnet damit, dass dies heute nötig sein wird.

15.18 Uhr: Fürs Protokoll: Die Kreisräte sind nun doch wieder vollzählig. Es beginnt Tagesordnungspunkt 3 - die Wahl des Landrats. Dr. Joachim Bläse muss dazu als Mitglied des Kreisräts bei seiner Frau Platz nehmen - er gilt als Bewerber natürlich als befangen. Landrat Klaus Pavel stellt klar: "Mir geht es gut." An das Ergebnis vor 24 Jahren kann er sich nicht mehr vollständig erinnern. "Es war nicht so toll", sagte Pavel und schmunzelt. 

15.17 Uhr: Noch eine dritte Wortmeldung, es ist wieder der junge Mann aus der Eventbranche, der noch einmal seine Position deutlich macht. 

15.17 Uhr: Eine zweite Wortmeldung, es geht um den Klimaschutz im Ostalb-Mobilitätspakt.

15.15 Uhr: Eine Wortmeldung zur Bürgerfragestunde gibt es jetzt noch, bevor die Wahl beginnen kann. Es ist ein Eventveranstalter aus dem Gmünder Raum, der für die kulturschaffende Branche spricht. "Wir erleben einen kompletten Stillstand", sagt der junge Mann. Er appelliert an die Politiker, dass sie die Menschen aus der Eventbranche wahrnehmen. Sonst drohe der Verlust dieser Branche. Er fordert, dass Lösungen nun schnell gefunden werden müssten. Dafür gibt es zustimmenden Beifall der Kreisräte. Landrat Klaus Pavel spricht von seinem Besuch bei den Kulturschaffenden im Schloss Kapfenburg. Diese seien im "Dornröschenschlaf", so Pavel. "Das muss bald aufhören", sagt Pavel, um die Kultur nicht verkümmern zu lassen. Doch es sei "verdammt schwierig". Materielle Hilfe sei nur die eine Seite. Doch wenn Kultur wegbreche, gehe auch ein Stück unseres Zusammenlebens verloren. 

15.10 Uhr: Ein Kreisrat fehlt offenbar doch, somit sind 72 Kreisräte in der Stadthalle. Zur Berechnung der Mehrheit werden allerdings trotzdem alle 73 Sitze zu Grunde gelegt. 

15.05 Uhr: Wegen der Corona-Pandemie findet die Wahl wieder in der größeren Stadthalle statt - und nicht im Landratsamt. Pavel bittet, die Abstandsregelungen einzuhalten. Maskenpflicht gilt - außer man sitzt an einem Einzeltisch. 

15 Uhr: Landrat Klaus Pavel begrüßt pünktlich und bittet alle Kreisräte - laut Pavel fehlt niemand entschuldigt - jetzt Platz zu nehmen. Der Landrat sei die wichtigste Person, um dem Kreisrät Impulse zu geben, sagt Pavel, der die Arbeit des Gremiums hervorhebt. 

14.55 Uhr: Neben Bläse kandidieren außerdem Volkmar Bauer aus Amt Wachsenburg in Thüringen und Harald Reinhard aus Buchenbach im Südschwarzwald. Alle Kandidaten dürfen sich gleich maximal 15 Minuten vorstellen. Danach können die Kreisräte ihnen Fragen stellen. Die anderen Bewerber dürfen in dieser Zeit nicht im gleichen Raum sein. Die anschließende Wahl ist geheim. Wir berichten ab 15 Uhr in einem Liveticker von der Wahl des Landrats aus der Stadthalle.

14.50 Uhr: Für Gmünds Ersten Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag, hat sich jüngst nun auch die Kreistagsfraktion der Grünen ausgesprochen. Zuvor signalisierten bereits die Freien Wähler Zustimmung. CDU, Freie Wähler und Grünen stellen zusammen 51 der 73 Sitze im Kreistag. Der erste Wahlgang ist erfolgreich, wenn ein Kandidat mehr als die Hälfte der Stimmen aller Kreistagsmitglieder - also mindestens 37 - auf sich vereinigt. 

14.45 Uhr: Ein großer Tag heute in der Aalener Stadthalle. Dort wählen die Ostalb-Kreisräte einen neuen Landrat. Klaus Pavel, der vor 24 Jahren denkbar knapp per Losentscheid das Amt übernommen hatte, möchte kein viertes Mal mehr kandidieren. Beginn der Landratswahl ist um 15 Uhr.

© Schwäbische Post 30.06.2020 17:15
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Kommentare

hannes67

Donnerwetter, wer hat damit gerechnet? Welch eine Überraschung!

Nicht dass ich das Herr Dr. Bläse nicht gönne, oder ihn gar für den falschen Kandidaten halte, aber diese vorab in allen Fraktionen abgesprochene Wahl als Wahl zu bezeichnen ist Quatsch und nur auf dem Papier der Form halber als solche zu bezeichnen.

Hier hätte Zeit und Geld gespart werden können, aber Gesetz steht über Flexibilität.

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