Ein Beirat für die Bosch-AS-Zukunft

Bosch AS Der Standort Gmünd wird bis 2026 auf rund 3000 Mitarbeiter schrumpfen, doch der Konzern investiert. OB Richard Arnold und Landrat Klaus Pavel loben den Kompromiss.
  • Blick auf das Werk IV von Bosch AS an der B29. Foto: Archiv

Schwäbisch Gmünd

Am vergangenen Freitag wurde bis kurz nach Mitternacht um eine Einigung gerungen. Um 0:13 Uhr schließlich gab es den Durchbruch. Die Stunden und Tage danach haben die Arbeitsgruppen von Bosch AS, Betriebsrat und IG Metall an der Formulierung des Eckpunktepapiers gefeilt, an diesem Donnerstag die 4700 Mitarbeiter in Betriebsversammlung über die Einigung informiert. Das Ergebnis ist das zwölfseitige Papier „Standortsicherung und Zukunftskonzept Schwäbisch Gmünd“.

Die Belegschaft soll zwar schrumpfen, aber nicht so stark wie von Bosch geplant, auf rund 3000, das ist die im Papier vereinbarte Zielgröße. Es gibt keine betriebsbedingten Kündigungen, Bosch will bis 2026 rund 350 Millionen Euro investieren. „Wir wollen hier weiterhin innovative Produkte entwickeln, zur Serienreife bringen und auch in Gmünd fertigen“, erklärt Bosch-AS-Geschäftsführer Stefan Grosch. „Damit können wir das künftige Beschäftigungsniveau am Standort über 2026 hinaus absichern – sowohl in der Produktion als auch in Entwicklung, Vertrieb und Verwaltung.“ Betriebsratschef Alessandro Lieb betont: „Innovationen und Investitionen in die Zukunft waren ein zentraler Bestandteil des Forderungskatalogs der Arbeitnehmervertretung. Durch die Investitionen gibt es langfristig verbindliche Zusagen für unseren Standort.“

Die gab es jedoch 2017 auch. Damals wurden dem Standort rund 100 Millionen Euro an Investitionen zugesagt und weitere Maßnahmen vereinbart, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts wiederherzustellen. Gelungen ist das bislang nicht.

Gewerkschaft und Betriebsrat forderten deshalb einen sogenannten Zukunftsbeirat, der überprüfen soll, ob das Konzept umgesetzt wird – und sich damit durchgesetzt. „Die Zusammenarbeit am Standort zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter wird sich grundlegend ändern“, heißt es dazu im Eckpunktepapier. Der Beirat besteht künftig aus Vertretern des Unternehmens und des Betriebsrats und trifft sich zweimal im Jahr. Grosch erklärt dazu: „Entscheidend für eine erfolgreiche Zukunft unseres Standorts ist auch, dass Arbeitgeber und Betriebsrat diese gemeinsam gestalten.“ Lieb sagt: „Der Zukunftsbeirat gewährleistet die langfristige Sicherung unseres Standorts.“

Besonderen Dank gab es von Seiten der Gewerkschaft und des Betriebsrat an Gmünds OB Richard Arnold und Landrat Klaus Pavel. Diese hätten bei der jüngsten Auflage des Runden Tischs in Gmünd, an dem neben Bosch, Betriebsrat und Gewerkschaft eben auch Pavel und Arnold teilnahmen, deutliche Worte in Richtung des Konzerns gefunden. „Diese Unterstützung war sehr wichtig für uns in den Verhandlungen“, so Hamm.

Der Zukunftsbeirat gewährleistet die Sicherung unseres Standorts.

Alessandro Lieb
Betriebsratschef Bosch AS

Stimmen zum Kompromiss:

  • Richard Arnold, OB Schwäbisch Gmünd: „Der Abbau von 1500 Stellen ist ein Wermutstropfen, aber die Investitionen von 350 Millionen Euro sind ein deutliches Bekenntnis zum Standort – und ein Signal, das in Zeiten der Pandemie, die die Wirtschaft empfindlich trifft, keine Selbstverständlichkeit darstellt. Die Einigung hat Symbolwirkung für Betriebe, Standorte und das Land. Ich bin froh, dass der Runde Tisch genutzt wurde, um in einer Atmosphäre der Offenheit und Direktheit die Dinge klar anzusprechen. Gewerkschaft und Betriebsrat gebührt ein Lob für die Verhandlungen, ebenso der Arbeitgeberseite. Sie hat gezeigt, dass sie über den Tag hinaus denkt.“
  • Klaus Pavel, Landrat: „Das ist nach schwierigen Gesprächen eine sehr schöne Nachricht und ein sehr gutes Ergebnis. Der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2026 betrifft einen längeren Zeitraum – ich kann nur hoffen, dass es nicht während dieses Zeitraums noch zu Veränderungen kommt. Mein Eindruck ist aber, dass in diesen Gesprächen nun Vertrauen entstanden ist – und das ist wichtig. Es gibt auch Perspektiven für die Zeit nach 2026: Man muss bereits heute vorausdenken, welche Produkte und welche Forschungsergebnisse in fünf Jahren entscheidend sind. Mein Eindruck ist, dass die Firma Bosch den Willen hat, Geld in die Hand zu nehmen, um den Standort zukunftsfähig zu machen.“
  • Norbert Barthle, MdB: „Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter haben hart und gut verhandelt, das verdient ausdrücklich Respekt. Das Paket ist mehr als nur ein Lichtblick für meine Heimatstadt und die vielen Arbeitnehmer und Familien, die an einer Arbeit bei Bosch AS hängen – dieses Paket zeigt, dass Bosch an den Standort glaubt!“
  • Christian Lange, MdB: „Der jetzige Abschluss ist für die Belegschaft und die Region eine positive Nachricht. Insbesondere gilt mein Dank und Lob der IG Metall und dem Betriebsrat. Die Investitionen von mehr als 350 Millionen Euro sichern Arbeitsplätze und geben den Beschäftigten Perspektive für die weitere Produktion vor Ort. Gerade in diesen Zeiten gilt es neben den akuten Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung auch langfristig die wirtschaftliche Substanz und die Arbeitsplätze zu erhalten.“
© Schwäbische Post 02.07.2020 15:43
5532 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy