Aus 186 werden 320 Millionen Euro

Trotz eines dramatischen Anstiegs der Sanierungskosten in Augsburg will der Freistaat an der Planung festhalten.
  • Das Theater in Augsburg produziert deutlich mehr Kosten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Seit Jahren kämpft die Stadt Augsburg bei der Sanierung ihres denkmalgeschützten Theaters mit Kostensteigerungen. Nun wurde bekannt, dass ein riesiges Loch bei der Finanzierung aufbricht – im schlimmsten Fall geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag. Der Bund der Steuerzahler kündigte an, dass die Kostenexplosion nun ein Fall für das nächste Steuerverschwendungs-Schwarzbuch sei. Kritiker gehen davon aus, dass in Kürze ein Bürgerbegehren gegen die Sanierung gestartet wird.

Die Stadtverwaltung befürchtet, dass die für 186 Millionen Euro beschlossene Modernisierung des Schauspielhauses nach Fertigstellung Mitte des Jahrzehnts mehr als 320 Millionen kosten könnte. Der Freistaat, der maßgeblich an der Finanzierung beteiligt ist, will dennoch an den Plänen festhalten. Das Land hatte vor Jahren angekündigt, den größten Teil der damals kalkulierten Bausumme zu zahlen – etwa 107 der 186 Millionen Euro. Der Zuschuss dürfte sich nun erhöhen – um wie viel, ist noch unklar.

Das Vorhaben besteht aus der bereits laufenden Modernisierung des historischen Großen Hauses und geplanten Neubauten. In diesen neuen Gebäuden sollen eine zweite Bühne, Werkstätten, Lager und die Verwaltung untergebracht werden. Kritiker des Projekts fordern, bei den Neubauten einzusparen und dafür die beiden derzeit angemieteten Ausweichspielstätten zu weiter zu bespielen.

Bayerns Steuerzahlerpräsident Rolf von Hohenhau meint, die Kostensteigerung könne nur auf eine „miserable Planung“ zurückzuführen sein. Der Landeschef des Bundes der Steuerzahler saß selbst für die CSU im Augsburger Stadtrat, als dort das Projekt mit Baukosten von 186 Millionen Euro beschlossen wurde. Damals sei eine Risikoreserve von 20 Millionen Euro eingeplant worden, sagt Hohenhau. „Bevor der erste Stein gelegt wurde, war die Reserve schon weg.“

Die Stadtverwaltung hat angekündigt, dass der Stadtrat noch vor der Sommerpause über das weitere Vorgehen bei der laufenden Generalsanierung des Theaters beraten soll. dpa
© Südwest Presse 03.07.2020 07:45
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