Bischof: Kinder und Alte sind Verlierer der Pandemie

Otfried July fordert, den Sonntag trotz der Corona-Krise nicht Handel und Verkauf zu opfern.
Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, sieht die ganz jungen und die ganz alten Menschen als die größten Verlierer der Corona-Maßnahmen. Kinder seien ohne Kita, Schule, Sport, Bewegung und Gemeinschaft gewesen, sagte er vor der Sommersynode. Die Senioren hätten oftmals wie weggesperrt ohne Verwandtenbesuche, ohne Bewegungsfreiheit und soziale Teilhabe gelebt.

In der Zeit, in der wegen der Pandemie-Maßnahmen kein Gottesdienst in Kirchen stattfinden durfte, sind viele digitale Gottesdienstformate entstanden. Eine Studie belege, dass digitale Formate in der Coronazeit einen regelrechten Boom erfahren hätte, sagte July.

81 Prozent der evangelischen Kirchengemeinden in Württemberg hätten eine solche digitale Verkündigungsform angeboten, berichtete July. Zuvor waren es 22 Prozent gewesen. Die Reichweite dieser Angebote sei in vielen Fällen viel höher als bei vergleichbaren analogen Gottesdiensten gewesen. „In Zukunft wird es darum gehen, beide Formen klug und mit Blick auf Reichweite und Ressourcen zu verbinden.“

July warnte vor übereilter Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen in den Kirchen. „Wir haben alle gehört, wie einzelne Veranstaltungen zu ,Superspreader-Events‘ werden können. Das soll in unserer Landeskirche nicht geschehen“.

Trotz der wirtschaftlichen Krise dürfe der Sonntag nicht Interessen von Handel und Verkauf geopfert werden, forderte July. „Der Sonntag ist der Schöpfung als Ruhetag gegeben und bleibt uns heilig. Er darf keine Verfügungsmasse der Gesellschaft je nach Kassenlage sein.“

Die große Zahl der Kirchenaustritte im Jahr 2019 bezeichnete July als bitter und zugleich herausfordernd. Schnelle Lösungsvorschläge und Erklärungen seien nicht hilfreich, allerdings wolle man die hohe Zahl an Austritten auch nicht einfach hinnehmen. Die Landeskirche werde untersuchen, warum Menschen austreten und deren Motive anhören.

Im Jahr 2019 haben 542 000 Menschen die beiden großen Kirche in Deutschland verlassen. 24 109 verließen die württembergische Landeskirche. epd
© Südwest Presse 03.07.2020 07:45
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