150 Millionen und viele Träume

Investor Lars Windhorst pumpt weiter viel Geld in den Hauptstadtklub. Nun muss das Team liefern. Die Rede ist von Champions League und Deutscher Meisterschaft.
  • Mehr denn je jubeln wollen künftig die Profis von Hertha BSC. Foto: Stuart Franklin/dpa
Einmal mit der Schale durchs Brandenburger Tor – so beschrieb einst Ex-Manager Dieter Hoeneß seinen größten Wunsch bei Hertha BSC. Diese Anekdote brachte die Leute in den vergangenen Jahren zum Schmunzeln, doch jetzt darf in der Hauptstadt wieder vom Titel geträumt werden. „Richtig, warum nicht?“, sagt Investor Lars Windhorst.

374 Millionen Gründe sprechen dafür. So viele Euro hat Windhorst über seine Firma Tennor Holding in den Klub gepumpt, die dritte Tranche beläuft sich auf 150 Millionen Euro. 50 Millionen fließen sofort, 100 Millionen im Oktober. Herthas Finanzkraft ist noch einmal exorbitant gestiegen, und das in Corona-Zeiten. Für sein vieles Geld fordert Windhorst nun aber auch den Angriff auf die nationalen und internationalen Spitzenklubs.

„Wenn alle Beteiligten mitspielen und nicht zu große Fehler gemacht werden, dann gibt es theoretisch keinen Grund, warum Hertha nicht auch einmal deutscher Meister werden sollte und in der Champions League oben mitspielt“, sagt Windhorst.

Michael Preetz unter Druck

In der kommenden Saison soll es ein Champions-League-Platz nach Möglichkeit schon sein. Auf der Sportebene müsse „maximal viel daraus gemacht werden“, forderte Windhorst – und setzte damit Geschäftsführer Michael Preetz unter Druck, der schon im Winter mit knapp 80 Millionen Euro zum Bundesliga-Transferkönig aufgestiegen war.

Prompt geistert schon der erste Name in den Medien: Angeblich hat Hertha seine Fühler nach Schalkes Mittelfeldspieler Weston McKennie ausgestreckt. Die klammen Schalker dürften ab einer Ablöse von 20 Millionen Euro gesprächsbereit sein. Die Branche weiß natürlich, dass die Berliner nicht auf jeden Euro schauen müssen. Das macht die Verhandlungen für Preetz nicht unbedingt leichter.

Schon unter Trainer Jürgen Klinsmann wollte Hertha die Weltmeister Mario Götze und Julian Draxler verpflichten. Die Neuzugänge dürfen für Windhorst gerne den „Glamour-Faktor“ haben, denn der „gehört sicher zum Marketing, einen Verein für die Öffentlichkeit interessant zu machen“.

Windhorst hofft weiter, aus der einst „grauen Maus“, die in der abgelaufenen Saison zum Chaos-Club mutierte, einen „Big-City-Club“ zu machen. „Ich stehe zu dem Begriff“, sagte er, auch wenn der zuletzt „durch den Kakao gezogen“ worden sei.

Sportlich lässt sich Windhorst nun nicht mehr von Klinsmann, sondern von Jens Lehmann beraten. Der Ex-Nationaltorhüter übernimmt einen Platz in Herthas Aufsichtsrat. Lehmann solle ihm „Einschätzungen zur Kaderzusammenstellung, Verkäufen und Käufen geben“. Also Preetz‘ Arbeit kontrollieren.

Den zweiten Posten im Aufsichtsrat übernimmt Rechtsanwalt Thomas Werlen. Der ursprünglich vorgesehene Kandidat Marc Kosicke, der unter anderem Startrainer Jürgen Klopp berät, sprang ab. Man habe, so Windhorst, „Hinweise der DFL bekommen, „dass es möglicherweise Interessenkonflikte mit Kosickes Berater-Tätigkeit geben könnte“.

Im Gegenzug für seine dritte Finanzspritze steigen Windhorsts Anteile an der Hertha BSC GmbH & Co. KgaA von 49,9 auf 66,6 Prozent. Diese sind bei der Berücksichtigung der 50+1-Regel nicht von Bedeutung. sid
© Südwest Presse 04.07.2020 07:45
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