Naturschutz

Neues Gesetz bringt das Aus für Schottergärten

Steinwüsten rund um Privathäuser sollen in Baden-Württemberg nicht mehr erlaubt sein. Um die Häuser soll es grün und insektenfreundlich werden.

  • Für die Artenvielfalt ist das tote Fläche: Das neue Naturschutzgesetz soll die Schottergärten endgültig aus den Siedlungen verbannen. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Menschen, die die Natur mit ihrer Vielfalt, den Blüten und Düften lieben, zerreißt es das Herz, wenn sie an einem Vorgarten aus Kies und Steinen stehen. Besitzer dieser Schottergärten argumentieren damit, dass sie pflegeleicht seien. Weil Schottergärten keinerlei Mehrwert für Insekten, Kleinsäuger und Reptilien bieten, sollen sie verboten werden. Das sieht ein Gesetzentwurf der Landesregierung vor.

Das Gesetz ist die Weiterentwicklung des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“. Es schreibt vor, dass Gärten insektenfreundlich gestaltet und begrünt werden müssen.

Auch der Landesnaturschutzverband (LNV) kämpft dafür, dass Schottergärten nicht mehr angelegt und die vorhandenen umgestaltet werden. „Wir wollen die Menschen davon überzeugen, lebendige Gärten anzulegen“, sagt LNV-Vorsitzender Gerhard Bronner. Es sollen Gärten sein, die Schmetterlingen, Vögeln, und Hummeln Lebensraum bieten und die saubere Luft produzieren.

Schottergärten finden sich öfter in Neubaugebieten. Flächen, auf denen Rasen und Blühpflanzen wachsen könnten, sind mit Kies oder Schotter bedeckt, vielleicht mit exotischen Gewächse wie Pampasgras oder Thuja-Bäumchen dazwischen.

„Schottergärten sind meist ein ökologischer Totalausfall“, sagt Bronner. Anders sei es mit echten Steingärten, die „natürliche Felslebensräume nachbilden und Lebensraum für Wildpflanzen, Eidechsen, Insekten und Spinnen bieten“.

Bronner räumt auch mit dem Argument auf, Schottergärten seien pflegeleichter: „Zwischen den Steinen kämpfen sich mit der Zeit Wildkräuter und Gräser hindurch. „Wird der Schotter nicht aufwändig saubergehalten, erobert ihn die Natur Stück für Stück zurück.“ Schottergärten seien seit Mitte der 1990er Jahre verboten, sagt das Umweltministerium. „Das Problem war bisher, dass das kaum jemand gewusst hat und sie verstärkt in Mode gekommen sind, weil sie vermeintlich leichter zu pflegen sind“, sagt ein Sprecher. Mit der Novelle des Naturschutzgesetzes „wollen wir die bestehende Rechtslage präzisieren und das Thema Biodiversität sehr viel stärker in die Öffentlichkeit tragen“, sagt der Sprecher. „Uns ist die Botschaft wichtig, dass der Schutz der biologischen Vielfalt schon im eigenen Garten beginnt.“

Kommunen machen in manchen Bebauungsplänen schon Vorgaben, wie Gärten bepflanzt und gestaltet werden sollen. „Die Regelung im Naturschutzgesetz hat vor allem klarstellende Funktion“, heißt es aus dem Ministerium. Damit sollen Unsicherheiten beseitigt und Gartenbesitzer sensibilisiert werden.

Hauseigentümer, die einen Schottergarten angelegt haben, müssen diesen „von sich aus beseitigen“, sagt das Umweltministerium. Ausnahmen seien nur Schottergärten, die vor Inkrafttreten der Landesbauordnung (LBO) Mitte der 1990er Jahre angelegt wurden. Der entsprechende Satz in der LBO steht in Paragraph 9: Nicht überbaute Flächen bebauter Grundstücke „müssen Grünflächen sein“, heißt es da.

Uneinig über Bestandsschutz

Nach Angaben des Wirtschaftsministerium, zuständig für das Bauordnungsrecht, sind Schottergärten baurechtlich aktuell allerdings gar nicht verboten. Der ganze Satz in der LBO: „Die nicht überbauten Flächen der bebauten Grundstücke müssen Grünflächen sein, soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden.“ Schotterungen im Garten aus gestalterischen Gründen fallen demnach unter „zulässige Verwendung“. Erst mit dem neuen Gesetz werden sie unzulässig.

„Die Landesbauordnung wird dadurch nicht rückwirkende neu interpretiert“, so eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums, „bestehende Schottergärten bleiben zulässig, wenn sie es vorher schon waren“. Für sie bestehe Bestandsschutz, Eigentümer müssten keinen Rückbau veranlassen.

© Südwest Presse 04.07.2020 07:45
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