Kommentar Thomas Veitinger zu Autozulassungen im ersten Halbjahr

Harter Herbst

  • Thomas Veitinger Foto: Volkmar Könneke
Wissenschaftler lieben klare Verhältnisse. Wenn sich Entwicklungen gegenseitig beeinflussen, wird das Ergebnis schnell unscharf. In der deutschen Autoindustrie überlappen sich derzeit mehrere Faktoren, das macht Prognosen schwierig. Ja, es stimmt, die Branche hat es mit der bislang schwersten Krise zu tun. Aber was sind die Auslöser?

Natürlich die Pandemie. Wenn Autohäuser wochenlang geschlossen sind, Millionen Menschen kurzarbeiten und die Konsumstimmung am Boden liegt, wird weniger gekauft.

Unterfüttert wird die Entwicklung aber von einem allgemeinen Kaufrückgang bei Autos. Es scheint, als verändert sich die Mobilität in Deutschland tatsächlich mit Corona als Katalysator. Politisch lässt sich dies am geringeren Einfluss der Auto-Lobby ablesen.

Der dritte Einflussfaktor ist der Umgang mit der Krise. Wer potenzielle Käufer wochenlang im Unklaren über eine Kaufprämie lässt, muss sich nicht wundern, wenn sie abwarten. Und wenn sich diese für ein E-Auto interessieren, müssen sie oft viele Monate ausharren. Von einer Abwärtsspirale zu sprechen, ist jedoch falsch. Das Geschäft in China zieht an, in Deutschland auch, die Kurzarbeit geht zurück. Wer als Hersteller und Zulieferer den harten Herbst übersteht, darf hoffen. Vom Zwang, sich zu verändern, befreit ein Aufschwung aber nicht.
© Südwest Presse 04.07.2020 07:45
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