Die beste Saison in der Vereinsgeschichte

Fußball, 2. Liga Der Vorstandsvorsitzende des FC Heidenheim, Holger Sanwald, verbirgt nicht seine Enttäuschung über die verpasste Bundesliga-Chance. Er zeigt sich aber auch stolz auf den 3. Tabellenplatz.

  • FCH-Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald im Gespräch. „Wir haben die beste Saison unserer Vereinsgeschichte geschrieben.“ Foto: Eibner
  • Eine Geste mit Symbolcharakter. Bremens Fin Bartels (links) deutet es Heidenheims Tobias Mohr an. Aufstehen und weitermachen. Foto: Eibner

Natürlich, gibt Holger Sanwald offen zu, ist die Enttäuschung nach dem verpassten Bundesligaaufstieg groß. „Aber wir haben die beste Saison unserer Vereinsgeschichte gespielt. Das freut mich und das macht mich auch richtig stolz. Das dürfen wir uns doch jetzt nicht kaputt reden lassen.“ Im Interview blickt der Vorstandsvorsitzende des FC Heidenheim bereits nach vorne. Und weiß, „dass die wirklichen Auswirkungen der Coronakrise uns erst noch bevorstehen.“

Herr Sanwald, zwei Unentschieden in den beiden Relegationsspielen um den Bundesligaaufstieg gegen Werder Bremen reichten nicht, um ins Fußballoberhaus zu kommen. Wie groß ist die Enttäuschung?

Sanwald: Die Enttäuschung ist schon groß, wenn man so nah dran ist und die Hand an der Bundesliga hat. Das war eine Chance, die nicht jeden Tag möglich ist. Das tut schon weh. Aber wir sind Dritter in der 2. Liga geworden und haben die beste Saison unserer Vereinsgeschichte gespielt. Das freut mich und das macht mich auch richtig stolz. Das dürfen wir uns doch jetzt nicht kaputt reden lassen. Es wäre falsch, nach einer solch tollen Saison nach den Fehlern zu suchen, weil wir zum Schluss das ganz große Ziel nicht geschafft haben. Nach dem, was wir alle gemeinsam geleistet haben, dürfen wir erhobenen Hauptes durch die Stadt gehen.

Blicken wir auf das Jahr 2007 zurück. Damals hat sich die Fußballabteilung vom HSB getrennt und sich selbständig gemacht. War es damals schon der Plan für den Weg in die Fußball-Bundesliga?

Sanwald: Nein. Die Trennung war damals notwendig, weil zu den Strukturen des HSB Profifußball nicht gepasst hätte. Wir spielten damals in der Oberliga und hatten das Ziel Regionalliga vor Augen. Da ging es dann um die Frage der Lizenz. Die Vision war damals die 2. Bundesliga. Das haben wir geschafft. Dass es so gut aufgeht, das konnte damals keiner absehen.

Nicht nur sportlich hat der FCH in den vergangenen Jahren Beachtliches geleistet. Die Infrastruktur und das gesamte Umfeld wurde stets weiter professionalisiert. Wäre der 1. FC Heidenheim gewappnet gewesen für die 1. Bundesliga?

Sanwald: Diese Frage stellt sich so nicht. Unsere Philosophie ist von je her „nicht nur in Beine, sondern auch Steine zu investieren“. Die Pläne, die wir verfolgen und an denen wir arbeiten, gelten deshalb auch für die 2. Liga. Wir können die Voith-Arena auf 25 000 Zuschauer ausbauen, wenn wir entsprechende Maßnahmen in die Infrastruktur realisieren. Das hat eine Machbarkeitsstudie ergeben. Dazu muss der Bebauungsplan geändert werden. Der wird gerade erarbeitet, so dass er im Herbst dem Gemeinderat vorgelegt werden kann. Wenn es ideal läuft, können wir dann innerhalb der nächsten drei Jahre diese Dinge vorbereiten und in Angriff nehmen. Dafür ist die 2. Liga die Basis. Das hat nichts mit der Bundesliga zu tun.

Mit welchen sportlichen Zielen wird es in die nächste Saison gehen?

Das dürfen wir uns jetzt nicht kaputt reden lassen.

Holger Sanwald
Vorstandvorsitzender FC Heidenheim

Sanwald: Das ist - Stand heute - schwer zu beantworten. Das ist eine große Herausforderung, weil durch die Erfolge der vergangenen und dieser Saison natürlich auch eine hohe Erwartungshaltung erzeugt wurde. Wir wissen das. Und es ist auch unser Anspruch selbst, uns an dieser Erwartungshaltung zu orientieren. Da liegt richtig, richtig viel Arbeit vor uns.

Auch wegen der Coronakrise?

Sanwald: Der Coronafaktor wird sich erst für die neue Saison richtig auswirken. Da gibt es noch viele Unbekannte. Auch wenn für den Saisonbeginn das Datum 18. September immer wieder genannt wird, wissen wir ja das bis jetzt noch nicht genau. Dann die Frage mit oder ohne Zuschauer und unter welchen Bedingungen und so weiter.

Der Etat für diese Saison lag bei 35 Mio. Euro. Wie hoch wird der Etat für die neue Saison sein?

Sanwald: Den Etat wieder in dieser Höhe aufstellen zu können, wird eine riesengroße Herausforderung. Hier werden wir die Corona-Effekte deutlich zu spüren bekommen. Zuschauereinnahmen und Fernsehgelder sind bislang noch nicht definitiv zu kalkulieren. Und dann muss man klar sehen, dass die Sponsoren die Corona-Pandemie natürlich gewaltig getroffen hat. Die Situation ist alles andere als einfach.

Bleibt die Mannschaft im Wesentlichen zusammen?

Sanwald: Auch diese Frage ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu beantworten. Letztes Jahr haben wir viele Leistungsträger verloren, dabei aber gute Transfererlöse von rund zehn Millionen Euro erzielt. Mit dem müssen wir leben. Das ist außerdem Teil unseres Konzepts. Ich befürchte das gleiche Szenario wieder. Das Transferfenster schließt in diesem Jahr ja erst am 5. Oktober. Wir haben es geschafft, dennoch wieder eine Mannschaft zusammenzustellen, die in dieser Saison sogar eine noch bessere Runde gespielt hat. Das ist nicht automatisch so. Vielleicht müssen wir uns angesichts der Rahmenbedingungen auch darauf einstellen, kleinere Brötchen zu backen. Ich weiß es einfach noch nicht.

© Schwäbische Post 07.07.2020 18:21
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