Vergleichsportale laufen lokalen Filialen langsam den Rang ab

Die SB-Kette Real, die zum Metro-Konzern gehörte, wandelt auf dem Pfad der Zerschlagung. Seit Ende Juni soll das Unternehmen einem russischen Investor gehören, was als erster Schritt zur Zerschlagung des Unternehmens durch die Presse geistert. 20 Filialen von Karstadt Sports sollen schließen. Und auch die Schließung von deutschlandweit 62 Galeria-Karstadt-Kaufhof-Filialen ist seit Juni eine von vielen traurigen Gewissheiten, die in Summe langfristig die Innenstädte verarmen lassen könnte. Es ist diese Sorge, die die Menschen umtreibt, die gerne durch die Fußgängerzonen flanieren und zum Shoppen gehen. Um die Versorgung selbst sorgt sich hingegen niemand – viel zu viele Alternativen gibt es, weniger schön, weniger sozial, aber doch so bequem zu erreichen. Neben den unpersönlichen Giganten gibt es vor allem eins: Vergleichsportale, die dann wiederum für den Endverbraucher die mühevolle Arbeit übernehmen, diverse Angebote im Internet zu suchen.

Abbildung 1: Wie lange wird es in Fußgängerzonen noch wuseln? Filialen unterschiedlichster Branchen stehen unter Druck, denn Vergleichsportale im Netz sind ihre größte Konkurrenz.

Versicherungen und Banken bekommen Konkurrenz aus dem Netz

Wenn von geschlossenen Filialen gesprochen wird, fällt auch auf, dass die bekannten Banken der Region zunehmend unter Druck stehen. Eine Vielzahl von Portalen hat sich mittlerweile dem Vergleich von Finanzdienstleistungen verschrieben – und das oft zu günstigeren Preisen, als es in Filialen möglich ist. Exponierte Lagen ebendort, wo Menschen sich oft aufhalten, fressen Geld, was in Form von Gebühren auf die Kunden umgelegt werden muss. Diese Kostenumlage spüren Endverbraucher bereits im Kleinen, etwa bei Kontoführungsgebühren, und auch bei größeren Kostenfaktoren, wie etwa der Kreditaufnahme über eine höhere Summe.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Versicherungsbranche: Versicherungsbüros haben ebenfalls laufende Kosten für ihre Büroräume, die immer seltener frequentiert werden. Viel zu umständlich ist vielen Verbrauchern die direkte Auseinandersetzung mit der Versicherungsberater; viel einfacher funktioniert der Vergleich der Versicherungsparameter im Internet.

Konsum- und Gebrauchsgüter gehen online in die Preisschlacht

Wer möchte, kann mittlerweile nahezu aus jeder Produktgruppe online Angebote finden. Nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie werden die Bestrebungen von Online-Supermärkten immer stärker. Sie bieten an, Zeit einzusparen, in dem sie dem Verbraucher das liefern, was er online aus dem bekannten Sortiment ausgewählt hat. Zwar ist der Online-Supermarkt per se kein Vergleichsportal, allerdings gibt es mittlerweile bereits Vergleiche über Online-Supermärkte. Dabei gilt: Wem ein bekanntes Sortiment wichtig ist, nutzt die Online-Shops von Rewe oder Edeka. Wer einfach nur keine Einkäufe schleppen möchte, stöbert in einem anderen Online-Supermarkt, der im Vergleichsportal die besten Preise ausgewiesen hat.

Ein ähnliches Vorgehen lässt sich beim Kauf von Konsumgütern beobachten, wobei sich hierbei mittlerweile unterschiedliche Einkaufstypen ausmachen lassen:

  • Wer gezielt nach einem Produkt sucht, beispielsweise aus dem Elektronikbereich, sucht natürlich online nach dem günstigsten Preis. Dabei helfen Vergleichsportale, die darauf abzielen, im Online-Dschungel den Anbieter auszumachen, der den attraktivsten Preis hat.
  • Der andere Einkaufstyp kauft online dort, wo er sonst vielleicht die Filiale besucht hätte, aber die hatte leider schon geschlossen. Diesem Verbraucher kann man in Ansätzen noch Markenloyalität nachsagen, denn er bleibt seinem Elektronikfachhändler treu.
  • Wiederum andere kaufen – ohne Preisvergleich – in den größten Online-Warenhäusern, die es mittlerweile hierzulande gibt, ein. Der Warenkorb ist, ähnlich wie der Einkaufszettel, stets geöffnet. Je nach Brisanz der Produkte im Warenkorb wird dann eben geordert.

Fakt ist, dass all diese erwähnten Verhaltensweisen auch dazu beitragen, dass immer mehr Filialbetriebe unrentabel werden. Während die Folge einer Bank-Schließung ein geringerer Service für diejenigen bedeutet, die nicht ohnehin schon Online-Banking betreiben, bedeutet jede Schließung eines Kleidungsshops auch, dass die Innenstädte ein wenig karger werden.

Abbildung 2: Cafés und Bars werden nicht aus den Innenstädten verschwinden. Doch wer soll dort nach einer Shoppingtour Cappuccino trinken, wenn keiner mehr zum Einkaufen in die Innenstadt fährt?

So beliebt sind Vergleichsportale wirklich

Zum reinen Preisvergleich werden Vergleichsportale mittlerweile bereits von jedem zweiten Internetuser genutzt. Diese Aussage seitens der Verbraucherzentrale motivierte die Verbraucherschützer auch dazu, einige praktische Tipps zur Benutzung von Vergleichsportalen zu publizieren:

  • Der Vergleichssieger ist in den meisten Fällen irrelevant, denn die Rankingfaktoren lassen sich nicht zwingend nachvollziehen. So ist es beispielsweise beim Versicherungsvergleich sinnvoller, alle Preisangaben zu betrachten – anstatt nur den Preis für das erste Versicherungsjahr zu sehen, das vielleicht ausschlaggebend für Rang 1 in der Vergleichstabelle war, langfristig aber in jedem Preisvergleich unterliegen würde.
  • Grundsätzlich ist jedes Vergleichsportal (egal ob ein Produkt oder eine Dienstleistung verglichen wird) ein Stück weit ein Online-Makler, der von Provisionen lebt. An welcher Stelle Provisionen abgezwackt werden, erfahren Verbraucher nur, wenn sie Angebote von verschiedenen Vergleichsportalen einsehen und vergleichen, ob es an einer Stelle zu einem Aufschlag gekommen ist.
  • Verbraucher nutzen die Technik des Vergleichsportals immer dann gut und sinnvoll, wenn sie die die Vergleichstabelle als Option der Möglichkeiten begreifen. Das heißt: Nicht die Platzierung ist entscheidend, sondern die Sortierfunktion, die danach forsten lässt, was individuell besonders wichtig ist. Gerade bei Angeboten von Strom- und Gaslieferanten kann es durchaus eine sinnvolle Option sein, bei den Filterfunktionen manuell nachzujustieren, um beispielsweise Ökostromanbieter gesondert zu betrachten.

Abbildung 1: pixabay.com © Joergelman (CC0 Public Domain) 
Abbildung 2: pixabay.com © Bru-nO(CC0 Public Domain) 

© Schwäbische Post 10.07.2020 13:32
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Ebnater

Die Entwicklung hat schon vor vielen Jahren begonnen. Waren früher die Innenstädte noch Lebensraum für deren Bewohner, wurden viele Innenstädte zu reinen Kauf-, Konsum-, Gastro- und Dienstleistungszentren umgewandelt. Die kleinen Geschäfte in Dörfern und Wohnsiedlungen verschwanden, vieles konzentrierte sich zuerst auf die Innenstadt, später dann auch auf die "Industriegebiete". Das hat Vorteile (mehr Auswahl und bessere Vergleichsmöglichkeiten auf engem Raum), aber auch Nachteile, hauptsächlich logistischer Art (Verkehr, Parken).

Aus ökologischer und ökonomischer Sicht ist es durchaus positiv zu sehen, wenn man jetzt auf einen Teil der Wege verzichten und sich Zeit, Stress und Parkplatzsuche sparen kann. Wozu aus dem Dorf in die Innenstadt fahren und in den Geschäften feststellen, dass das, was man braucht, doch nicht auf Lager ist. Dann lieber zu transparenten Konditionen und in einem Bruchteil der Zeit online bestellen und tags darauf geliefert zu bekommen. Mögliche Mehrkosten für die Lieferung kann man mal mit Fahrkosten und eingesparter Zeit gegenrechnen.

Die schlauen Händler haben diesen langfristigen Trend erkannt und sind schon vor Jahrzehnten online gegangen. Viele der Onlinehändler haben mit einem "realen" Ladengeschäft begonnen und konnten so auch den Kundenkreis und oft auch den Umsatz deutlich vergrößern. Natürlich war und ist es eine gefährliche Sache, wenn man einerseits lokal die oft höheren Preise des Einzelhandels erzielen will und andererseits online im Preiskampf bestehen will. Wenn man da nicht sauber kalkulieren kann und den lokalen Kunden einen Mehrwert bietet, dann ist man schneller weg als früher.

Die Innenstädte müssen sich neu erfinden. In Zeiten der aktuell akuten Wohnungsnot kann es wieder lohnend sein, Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen. Oder mit Museen, Galerien oder Veranstaltungen Gründe für einen Besuch in der Innenstadt zu schaffen. Die Gastronomie kann von so etwas profitieren, aber auch selber eine der "Attraktionen" werden. Die Entwicklung ist nie zu Ende, sie geht weiter. Auch in diesen Zeiten.

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