Bucks heile Welt

Kuli-Friedhof

  • Autorenfoto Foto: Christian Käsmayr
Nie hat man einen Kuli zur Hand, wenn man einen braucht. Es ist ein Rätsel. Vor allem für uns, die wir einen Kuli-Friedhof zu Hause haben. 500 Millionen Kugelschreiber werden jährlich in Deutschland unters Volk gebracht, und fast alle enden bei uns. Mit Ausnahme einiger weniger, die zügig in der Handtasche auslaufen, verdorren sie in Schubladen und Sofaritzen. Alle Kulis, mit denen wir jemals rasch eine Geburtstagskarte schreiben wollten, waren ausnahmslos bestenfalls als Gürtellochbohrer zu gebrauchen.

Aber man muss mit Kulis auch gar nicht schreiben. Man kann auch so aus ihnen lesen wie in einem Buch. Wie in der eigenen, niederschmetternden Biografie! Glaubt man den Werbekuli-Aufschriften, besteht dieses Dasein vorwiegend aus Zecherei (Zur fröhlichen Weinbergschnecke), Langeweile (FC Bayern) und Gebrechen (Rehasenio). Aus Verlusten (LangeBank) und Gewinnen frühestens in 1000 Jahren (6aus49).

Hauptsächlich aber ist das Leben Arbeit. Die Zahl der Bürokulis im heimischen Kugelschreiberdepot kann aus Selbstschutzgründen an dieser Stelle leider nicht genannt werden. Ein schlechtes Gewissen erübrigt sich indes, da wir regelmäßig eine stattliche, mit privaten Exemplaren angereicherte Kuli-Sammlung hälinga in den Bürobestand einfließen lassen. Einfach zu schön, wenn sich die smarte Kollegin an einem vertrockneten FDP-Stift vergreift.
© Südwest Presse 11.07.2020 07:45
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