Rot am See: Sechsfachmörder muss in die Psychiatrie

27-Jähriger wird des Mordes schuldig gesprochen und erhält eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Gutachter stellte Wahnvorstellungen fest.
Nach der Bluttat von Rot am See mit sechs Toten ist das Urteil gefallen: Adrian S., der Ende Januar bei einem Familientreffen seine Eltern, zwei Halbgeschwister sowie Onkel und Tante erschossen hatte, wurde zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und in die Psychiatrie eingewiesen. Eine solche Tat sei nur zu erklären als die „Tat eines psychisch schwer gestörten Täters, der teils besessen gewesen ist“, sagte der Richter bei seiner Urteilsbegründung.

Der 27-Jährige hatte die Tat zum Prozessauftakt gestanden und Misshandlungen seiner Mutter als Motiv angegeben. Sie habe ihn missbraucht und vergiftet. Beweise gab es dafür nicht. Ein Psychiater hatte bei ihm Wahnvorstellungen und eine krankhafte seelische Störung diagnostiziert. Das umfassende Geständnis hatte das Gericht zugunsten des Angeklagten gewertet. Demgegenüber stehe das „unendliche“ Leid der Angehörigen.

Das Gericht ging für alle Taten von einer verminderten Schuldfähigkeit aus. Der Angeklagte habe sich ab dem ersten Schuss in einem „Zustand der Raserei“ befunden und sei nicht mehr in der Lage gewesen, einen klaren Gedanken zu fassen, sagte der Richter und attestierte ihm einen „unbedingten Vernichtungswillen“. Der Angeklagte sei besessen davon gewesen, seine Mutter zu töten. Dieser Obsession habe er alles untergeordnet – auch sein Privatleben. Der Angeklagte war in einen Schützenverein eingetreten, um an eine Waffe zu kommen.

Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung hatten erklärt, dass sie den Schützen des Mordes für schuldig halten. Staatsanwalt und Nebenkläger forderten eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Staatsanwaltschaft sprach bei einem Teil der Taten von „eingeschränkter Steuerungsfähigkeit“.

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sie Revision einlegt. Verteidiger Andreas Kugel sagte, das Urteil könne man so akzeptieren. Dennoch wolle auch die Verteidigung eine Revision prüfen. (mit dpa)
© Südwest Presse 11.07.2020 07:45
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