„Fast magische Orte“

Baden-Württemberg will das keltische Erbe im Land besser vernetzen und vermarkten. Kunst-Staatssekretärin Petra Olschowski stellt die ersten Leuchtturmprojekte vor.
  • Im Jahr 2012 ließ das Landesamt für Denkmalpflege für eine Ausstellung Modelle der Heuneburg erstellen. Das ist eine Darstellung des zweistöckigen Stadttores, dessen Fundamente in den 2000er-Jahren freigelegt wurden. Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Graphik: Faber Courtial
  • Hinweisschild zur HeuneburgFoto: Foto: Jens Schmitz
Open-Air-Erlebnisse, moderne Museen, eigenes Logo: Das reichhaltige keltische Erbe Baden-Württembergs soll zum Aushängeschild des Landes werden. Für die vergangenes Jahr beschlossene Keltenkonzeption der Landesregierung stehen jetzt die ersten Leuchtturmprojekte fest. Sie liegen alle im württembergischen Landesteil.

„Wir haben unglaublich ausstrahlungsstarke Fundobjekte und sehr, sehr – ich finde: fast – magische Orte“, sagte Kunst-Staatssekretärin Petra Olschowski am Freitag bei der Präsentation der Planungsfortschritte. Die Konzentration der Startprojekte in Württemberg hänge damit zusammen, dass wesentliche Impulse zur Konzeption von den Standorten Heuneburg (Kreis Sigmaringen) und Heidengraben (Kreise Esslingen und Reutlingen) ausgegangen seien. Sie hätten bereits konkrete Pläne gehabt; das gelte auch für die seither hinzugekommenen Projekte. Die ebenfalls bedeutende archäologische Landschaft Badens soll im zweiten Schritt zum Zug kommen.

Die Heuneburg bei Herbertingen läuft inzwischen außer Konkurrenz: Als einzige bedeutende Stätte auf Landesgrund wurde sie zum April 2020 vom Landesbetrieb Schlösser und Gärten übernommen. Als einer der international wichtigsten Keltenorte überhaupt soll sie zu einer zentralen „Erlebniswelt“ ausgebaut werden. Das kommunale Museum in Herbertingen soll aufgegeben und mit dem bestehenden Freilichtmuseum des Landes in der angrenzenden Staatsdomäne Talhof weiterentwickelt werden.

Künftige Aushängeschilder müssen aber mehr als nur archäologisch bedeutsam sein. Das sagte Olschowskis wissenschaftlicher Berater unserer Zeitung. „Es reicht ja nicht aus, den Top-Keltenort zu haben, wenn der völlig abseits liegt“, erläuterte Thomas Hoppe, Referatsleiter für vorrömische Metallzeiten am Württembergischen Landesmuseum. „Es müssen weitere Aspekte hinzukommen wie Erreichbarkeit, touristisches Potenzial und auch die Bereitschaft vor Ort, sich kommunal zu engagieren.“

Über die ersten Investitionshilfen aus dem eigentlichen Konzeptionsetat dürfen sich Keltenenthusiasten in Hochdorf, am Ipf bei Bopfingen und in den drei am Heidengraben gelegenen Gemeinden Erkenbrechtsweiler, Grabenstetten und Hülben freuen. Durch die Gesamtkosten habe sich der Bund überzeugen lassen, zwei der drei Vorhaben mit insgesamt knapp drei Millionen Euro zu unterstützen, sagte Olschwoski. Die verbleibenden Kosten teilen sich das Land auf der einen, Kommunen und Kreisen auf der anderen Seite jeweils zur Hälfte.

Zusammengefasst unter der Dachmarke „Keltenland Baden-Württemberg“ sollen kleine und große Fundorte oder Museen künftig schon durch ein neues Logo signalisieren, dass das keltische Erbe im deutschen Südwesten ein dichtes Zivilisationsnetz aus gut acht Jahrhunderten erschließt. Das Markenzeichen ist dem Silberring von Trichtingen nachempfunden, einem sechs Kilogramm schweren Halsreif mit Stierkopfenden, der im Württembergischen Landesmuseum verwahrt wird.

Dort hat das Land zwei große Medientische installiert. Über Touchscreens und QR-Codes an den Vitrinen können Besucher nachschauen, was die Erde in ihrer unmittelbaren Heimat freigegeben hat. Wenn die Geräte sich bewähren, könnten solche Tische auch in anderen Museen im Land zum Einsatz kommen.

Im Kelten-Museum in Hochdorf sind Repliken aus dem nahe gelegenen frühkeltischen Prunkgrab ausgestellt. Das Land will der Gemeinde Eberdingen bei Ausbau und Modernisierung mit bis zu 500 000 Euro helfen.

Am Heidengraben haben die Bauarbeiten für einen fünf Kilometer langen Keltenpfad schon begonnen; er soll von einer eigens entwickelten App begleitet werden. Der Heidengraben, mit 17 Hektar die größte spätkeltische Befestigung Deutschlands, stellt Organisatoren wie Besucher durch seine schiere Größe vor Herausforderungen.

Neben den vorhandenen Hügelgräbern soll ein modernes Medienzentrum in Form eines Grabhügels entstehen. Zwei Millionen Euro bezahlt der Bund; das Land verdoppelt den kommunalen Anteil von 1,75 Millionen Euro. Knapp 250 000 Euro schießt die die europäische Leader-Kulturförderung zu.

Der kegelförmige Ipf im Ostalbkreis gilt als eindrucksvollstes Geländedenkmal im Land. Es gibt hier bereits Nachbauten keltischer Gebäude sowie in der Stadt ein Museum, die modernisiert und um ein Besucherzentrum erweitert werden sollen. Der Bund beteiligt sich mit 918 000 Euro daran. Das Land übernimmt 741 000 Euro; Stadt und Ostalbkreis zusammen den gleichen Betrag.
© Südwest Presse 11.07.2020 07:45
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