Ein Ire wird Chef der Eurogruppe

Überraschende Wahl: Einer der mächtigsten Posten in Brüssel geht an Paschal Donohoe.
  • Der neue Eurogruppenchef Paschal Donohoe. Foto: afp
Mitten in der Corona-Wirtschaftskrise übernimmt der irische Finanzminister Paschal Donohoe den Vorsitz der Eurogruppe. Die 19 Staaten der Gemeinschaftswährung wählten den bürgerlichen Politiker in einer Videokonferenz für zweieinhalb Jahre. Donohoe erklärte die wirtschaftliche Erholung von der Rezession zur Priorität. Viele Menschen in Europa hätten Angst um ihre Jobs und ihre Einkommen, sagte er.

Donohoe folgt auf den Portugiesen Mario Centeno, der das Amt nach zweieinhalb Jahren abgibt. Der 45 Jahre alte Ire setzte sich überraschend gegen zwei Mitbewerber durch: die Spanierin Nadia Calviño und den Luxemburger Pierre Gramegna. Calviño galt als Favoritin. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz hatte Sympathie für die Sozialistin erkennen lassen. Nach der Wahl lobte Scholz aber, Donohoe habe bisher gute Arbeit geleistet. Er sei sicher, dass sich die Eurogruppe nun aufs Wesentliche konzentrieren werde, nämlich die wirtschaftliche Erholung, sagte der SPD-Politiker.

Die Eurogruppe ist ein informelles Gremium der Wirtschafts- und Finanzminister aus den 19 Staaten der Währungszone. Sie beraten normalerweise einmal im Monat und koordinieren sich in Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Der Vorsitzende gilt als einflussreicher Koordinator und Wortführer. Donohoes Vorgänger vor Centeno waren der Luxemburger Jean-Claude Juncker und der Niederländer Jeroen Dijsselbloem.

Donohoe gehört der bürgerlichen Partei Fine Gael an und ist seit Juni 2017 Finanzminister seines Landes. Er hatte die Unterstützung der christdemokratischen Parteienfamilie Europäische Volkspartei. Der verheiratete Vater zweier Kinder hat einen Abschluss in Politik und Wirtschaft.

Die Rezession wegen der Pandemie ist die tiefste in der Geschichte der Europäischen Union und der 2002 als Zahlungsmittel eingeführten Gemeinschaftswährung. Nach der jüngsten Prognose der EU-Kommission wird die Wirtschaftsleistung der Eurozone dieses Jahr um 8,7 Prozent schrumpfen und sich nächstes Jahr nur teilweise erholen. dpa
© Südwest Presse 11.07.2020 07:45
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