Klage wegen Fitness-Rabatts

Verband will Angebot von Generali gerichtlich prüfen lassen. Grüne kritisieren intransparente Vertragsbedingungen.
Die Smartphone-App vermisst die Körperfunktionen – dafür gibt es Rabatt bei der Berufsunfähigkeitsversicherung: Der Bund der Versicherten hat gegen eine solche Police des Versicherungsunternehmens Generali Klage eingereicht. Begründung: Es sei unklar, wie die darin versprochenen Rabatte für gesunde Lebensführung genau berechnet werden. Die Grünen im Bundestag warnen davor, dass solche Fitness-Verträge Eingang in die gesetzliche Krankenversicherung finden könnten. „Wir müssen aufpassen, dass die neuen Möglichkeiten der Selbstvermessung nicht auf Kosten der Solidarität im Gesundheitswesen gehen“, warnt die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Generali-Angebot mit der Bezeichnung „SBU-professional Vitality“ beruht auf dem Prinzip, dass Versicherte geringere Prämien bezahlen, wenn sie bereit sind, auf ihrem Smartphone eine Gesundheits-App hochzuladen. Diese liefert Daten beispielsweise über sportliche Aktivitäten und absolvierte Gesundheits- und Ernährungschecks. Vitality-Kunden bekommen einen Nachlass von bis zu 16 Prozent und können Belohnungen bei Generali-Partnern wie Zalando und Spotify erhalten. Die Fitness-Tarife nutzen laut Generali bereits fünf Millionen Kunden, unter anderem auch bei Risiko-Lebensversicherungen.

Warnung vor Rabatt-Verlust

Der Bund der Versicherten kritisiert die Bedingungen der Vitality-Verträge als unzulässig. „Verbraucher erfahren nicht, welches konkrete Verhalten zu welchen tatsächlichen Vergünstigungen führt“, moniert Vorstandssprecher Axel Kleinlein. Außerdem weise der Versicherer nicht darauf hin, „dass die Rabatte bei fehlenden Überschüssen auch ausbleiben können“. Deshalb habe man beim Landgericht München Klage eingereicht.

Die Grünen-Politikerin Klein-Schmeink hält die Klage für „eine gute Sache“, wie sie sagt. „Aus Verbrauchersicht ist Transparenz das oberste Kriterium.“ Sie könne zwar verstehen, dass Versicherte ihre „Erfolge beim Joggen oder Radfahren Schwarz auf Weiß haben möchten“. Aber die Daten der Apps dürften sich nicht in den Tarifen niederschlagen – weder in den Berufsunfähigkeits- und Lebensversicherungen noch in den privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen. „Gerade bei der gesetzlichen Krankenversicherung würde durch solche Tarife die soziale Solidarität untergraben“, sagt Klein-Schmeink. „Zum Glück“ seien dort solche Tarife bisher nicht zugelassen.

Die Verbraucherschutz-Expertin der FDP im Bundestag, Katharina Willkomm, hat dagegen keine Einwände gegen Bonusprogramme – solange sie „wie bei privaten Versicherungen nicht verpflichtend sind“. Die Angebote dürften „nur ein Extra“ sein, betont sie. Michael Gabel
© Südwest Presse 24.07.2020 07:45
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