Streit um Microsoft-Einsatz an Schulen

Pläne der Landesregierung für digitale Bildungsplattform in der Kritik.
Das Kultusministerium und der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit streiten um die Anschaffung von Microsoft-Anwendungen für die geplante digitale Bildungsplattform. Das geht aus Unterlagen hervor, die dieser Zeitung vorliegen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PWC) hat im Auftrag von Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) eine Datenschutzfolgeabschätzung zur Verwendung von „Office 365“ in Schulen erstellen lassen. Eisenmann plant, allen Lehrern des Landes Dienst-E-Mail-Adressen sowie Bürosoftware zur Verfügung zu stellen. Beides sind wichtige Module beim derzeit laufenden Aufbau einer digitalen Bildungsplattform.

Die Wirtschaftsprüfer halten das für möglich. Sie erkennen „keine Risiken, die ein Absehen von der beabsichtigten Datenverarbeitung notwendig machen“. Landes-Datenschützer Stefan Brink bezweifelt das: Das PWC-Papier habe „methodische Mängel“. So seien „die relevanten Risiken und Verarbeitungen nicht geprüft“ worden, etwa möglicherweise heikle Abflüsse von Nutzerdaten an Microsoft. Brinks Fazit: „Es scheinen derzeit strukturelle Merkmale der ins Auge gefassten Verarbeitung vorzuliegen, welche die Möglichkeit eines datenschutzkonformen Einsatzes ohne wesentliche Anpassung der Datenverarbeitung durch Microsoft fraglich erscheinen lassen.“

Axel Habermehl

Südwestumschau
© Südwest Presse 24.07.2020 07:45
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy