Wann halten Bürger Auflagen ein?

Je mehr die Menschen dem Staat vertrauen, desto eher befolgen sie die Regeln. Das besagt eine Studie.
  • 11.07.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: "Gib Gates Keine Chance" steht auf dem Shirt einer Frau, die im Unteren Schlossgarten an einer Protestkundgebung der Initiative «Querdenken 711» teilnimmt. Die Demonstration richtet sich gegen die Corona-Beschränkungen und für Grundrechte wie Versammlungsfreiheit und Glaubensfreiheit. Foto: Christoph Schmidt/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Christoph Schmidt/dpa
Bei der Frage, ob Menschen Lockerungen in der Corona-Krise befürworten oder ablehnen, spielt laut einer Studie der Uni Konstanz vor allem das Vertrauen in staatliche Institutionen eine Rolle. Eindämmungsmaßnahmen würden eben nicht von Virologen und Epidemiologen ergriffen, sondern vom Staat, schreiben die Autoren Claudia Diehl und Felix Wolter in dem am Donnerstag veröffentlichten Papier. „Und wer dem Staat generell nicht traut oder der Ansicht ist, er solle den BürgerInnen möglichst wenig Einschränkungen auferlegen, möchte sich von ihm wahrscheinlich auch den Besuch von Clubs oder Festivals nicht verbieten lassen.“

Die unterschiedlich starke individuelle Betroffenheit spiele in der Diskussion um Lockerungen dagegen nur bedingt eine Rolle, heißt es in der Auswertung der Studie weiter. „Die Haltung zur Lockerung pandemiebedingter Beschränkungen wird weniger dadurch bestimmt, ob jemand daraus wirtschaftliche oder familiäre Folgen für sich selbst oder die Gesellschaft befürchtet.“ Wer in den Maßnahmen aber eine Grundrechtseinschränkung für sich und die Gesellschaft sehe, sei für Lockerungen.

Ein unmittelbares Eigeninteresse sei nur beim Unterschied zwischen Risikogruppen und Gesunden ausschlaggebend: „Erstere lehnen Lockerungen von Eindämmungsmaßnahmen meist ab, Letztere befürworten sie eher.“

Die Konstanzer Forscher befragten für ihre Untersuchung von April bis Mai 2020 knapp 4800 Menschen online. dpa
© Südwest Presse 24.07.2020 07:45
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