Eltern wollen Notbetreuung für alle

Schließt eine Kita wegen Corona, muss die Betreuung selbst organisiert werden, klagt der Landeselternbeirat.
  • Michael Mittelstaedt ist Chef des Landeselternbeirats. Foto: Marijan Murat
Eine Notbetreuung für alle Eltern bei Kita-Schließungen wegen Corona-Verdachts sowie einheitliche Regeln im Land – das fordert der Vorsitzende des Landeselternbeirats (LEB), Michael Mittelstaedt. Je nach Einrichtung könne momentan schon ein Schnupfen reichen, um ein Kleinkind vom Besuch einer Kita oder eines Kindergartens auszuschließen. „Was macht man dann mit den Kindern, wenn die Kita schließt? Und was ist mit den Geschwisterkindern? Werden Eltern dafür freigestellt?“ Das sind nur einige Fragen, die Mittelstaedt sich mit vielen anderen Eltern stellt.

Bei den Eltern herrsche vor allem großer Unmut wegen der unterschiedlichen Kriterien beim Ausschluss von Kindern, sagte er. „Wir brauchen eine einheitliche Beurteilungspraxis.“ Er hofft, dass das Sozial- und das Kultusministerium „eine klare Linie“ vorgeben. Auch die Ungleichbehandlung im Vergleich zu „systemrelevanten“ Berufen stößt auf. „Es muss eine Notbetreuung für alle geben.“ Denkbar wäre für Mittelstaedt aber auch ein „rollierendes System“, das eine Betreuung im Wechsel sicherstellt.

Seit dem 29. Juni sind wegen der Corona-Pandemie geschlossene Kitas und Grundschulen wieder auf. Doch kaum geöffnet, mussten in den vergangenen Wochen einige Einrichtungen wegen Coronafällen wieder schließen. So wurde in Sindelfingen nach zwei mit dem Coronavirus infizierten Kindern eine Kita für 14 Tage geschlossen. Zwei weitere Einrichtungen machten später dicht.

Selbst wenn Corona-Tests am Ende negativ ausfallen, sind die Schließungen für Eltern ein großes Problem. Mittelstaedt, selbst Vater dreier Kinder – darunter ein Kindergartenkind –, berichtet, dass in solchen Fällen sich notfalls schon mal befreundete Familien aushelfen. „Oder man muss halt zu Hause bleiben. Dem Erhalt des Arbeitsplatzes ist das nicht immer zuträglich.“

Eltern wollten natürlich nicht, dass ihre Kinder andere anstecken, betonte er. „Aber sie möchten auch nicht, dass unsinnige Kriterien dazu führen, dass die Kinder nicht mit Gleichaltrigen spielen können“, so der LEB-Chef. „Allen Kindern unabhängig vom Arbeitgeber der Eltern muss der Zugang zu frühkindlicher Bildung und Förderung ermöglicht werden. Gerade in der frühkindlichen Phase sind Monate eine Ewigkeit.“ dpa
© Südwest Presse 27.07.2020 07:45
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