Lesermeinung

Zum abgeänderten Bauplan des Heuchlinger Gemeindehauses:

Auch wenn der Artikel darüber schon etwas länger her ist, geht mir die vom Denkmalamt ausgesprochene Verpflichtung, auf dem neuen Heuchlinger katholischen Gemeindehaus statt eines Dachs in Zeltform ein Flachdach zu bauen, nicht aus dem Sinn; selbst weder katholisch noch Heuchlinger, bin ich dabei wohl nicht im Verdacht der Befangenheit. Wenn es stimmt, dass das Zeltdach verboten wurde, um nicht dem Ensemble Kirche / Mesnerhaus die Schau zu stehlen, wird für mich andersrum ein Schuh draus: Ein Gemeindehaus, ein spiritueller Ort, ein Platz zum Wohlfühlen, soll bewusst hässlicher, uninspirierter gestaltet werden? Dann wird dem Ensemble tatsächlich etwas genommen, nämlich die humane und religiöse Komponente im Bauwerk! Da ist für mich Denkmalschutz eher die Bewahrung von Asche als die Weitergabe von Feuer. Auf die Spitze getrieben hieße das: keine Kuppel auf den Reichstag, daneben steht ja schon das Brandenburger Tor; keine „Elphi“ für Hamburg, die haben ja bereits den „Michel“. Das ist vielleicht jetzt etwas zugespitzt, aber langweilige Architektur haben wir meiner Meinung nach schon zu viel, da sollte Neues auch mutiger sein dürfen. Vielleicht ist in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen – liebe Heuchlinger, bleibt wenn möglich dran; geehrte Denkmalpfleger, bitte überdenkt noch einmal eure Entscheidung.

© Schwäbische Post 27.07.2020 22:09
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