Basketball

Vom Glaubenssatz zur Weltneuheit

Das neue Leistungszentrum von Ratiopharm Ulm ist noch nicht offiziell eröffnet. Doch ein exklusiver Blick in die heiligen Hallen zeigt: Es zählt zu den modernsten Trainings-Tempeln in Europa.
  • Sportlich-kognitives Training: Der „Skill Court“ ist im Basketball eine Weltneuheit. Foto: Lars Schwerdtfeger
  • Hochglanz auch in der Geschäftsstelle von Ratiopharm Ulm. Den Vorraum zieren Pokale, Auszeichnungen und Andenken. Foto: Lars Schwerdtfeger
  • Alles vom Feinsten (von links oben nach rechts unten): In der größten der drei Trainingshallen des Orange Campus stehen eine Rebound-Maschine und die Basketball-Weltneuheit namens „Skill Court“. Die Sponsoren haben sich auf der „We-are-one“-Tafel verewigt. Selbst der fünfstöckige Bürokomplex mit der Geschäftsstelle des Vereins und Foyer wartet mit viel Hochglanz und Platz auf. Foto: Lars Schwerdtfeger
  • Die Gönner-Tafel „We are one“ zeigt alle Sponsoren, die das Leuchtturm-Projekt unterstützt haben. Foto: Lars Schwerdtfeger
Auf dem Boden kleben Zahlen, Linien und Markierungen, davor prangt ein riesiger Bildschirm mit integrierter Kamera: Der „Skill Court“, das technologische Prunkstück des Orange Campus erinnert an eine Virtual-Reality-Spielfläche – nur, dass die Spieler keine VR-Brille tragen. Doch schon daran wird deutlich, dass die BBU'01 GmbH, unter der Basketball-Bundesligist Ratiopharm Ulm firmiert, ihr Nachwuchsleistungszentrum auf dem neuesten Stand der Trainingslehre entwickelt hat. Da wirkt die Technik in der nagelneuen Rebound-Maschine unter dem Korb fast antiquiert.

Gehirnjogging mit Ball

23 Millionen Euro ist Ratiopharm Ulm das Leuchtturm-Projekt wert. Und schon vier Wochen vor der offiziellen Eröffnung reicht die Strahlkraft über den eigenen Nachwuchs- und Leistungsbereich hinaus. So ist der „Skill Court“ im unfertigen Gebäude schon seit Monaten in Betrieb, weil sich mit ihm Profis aus ganz Europa verbessern wollen. „So etwas wie hier gibt es nirgendwo auf der Welt“, sagt Ratiopharm-Sportdirektor Thorsten Leibenath. Da müssen die Spieler Rechenaufgaben lösen, während sie dribbeln, oder sich Symbole merken, während sie auf den Korb werfen. Ziel ist es, dass die Sportler lernen, noch schneller die richtigen Entscheidungen im Spiel zu treffen. Doch das soll beim kognitiven Training mit Ball nicht das Ende der Fahnenstange sein. Gemeinsam mit dem Anbieter aus Schweinfurt wird die Software stetig weiterentwickelt. „Wir werden hier viel experimentieren“, sagt Leibenath, wohl wissend, dass sich Ratiopharm Ulm als exklusiver Beta-Tester für die nächsten Jahre einen weltweiten Technologievorsprung erarbeiten kann.

Die Kosten für den Neubau eines der größten Leistungszentren Europas, die der Verein zum großen Teil selbst gestemmt hat, sollen unter anderem durch die Vermietung von hochmodernen Räumlichkeiten im fünfstöckigen Büro-Turm wieder hereingeholt werden. Auch deshalb sucht man Fenster in den drei Sporthallen aus Waschbeton vergeblich. Das Niedrigenergie-Gebäude arbeitet CO2-neutral und soll so dauerhaft günstige Betriebskosten garantieren.

Selbst die Haupthalle mit integrierter Tribüne lässt Blicke von außen höchstens aus dem „Regieraum“ zu, dafür ziert eine Laufbahn die zwölf Meter hohe Wand wie eine Galerie. Die ersten Spieler, die ihre Trainingseinheiten im Campus teils auf eigene Kosten buchen, sind trotzdem angetan. „Eigentlich brauchen wir als Basketballer ja lediglich eine Halle und einen Ball, um arbeiten zu können“, erklärt Christoph Philipps, 21 Jahre altes Talent mit Bundesliga-Erfahrung bei Ratiopharm Ulm: „Aber es ist eben auch wichtig, was du für einen Parkettboden hast oder wie die Ringe am Korb sind. Das sind Details, die einen Unterschied ausmachen können.“

Daneben sind es ganz banale Dinge wie die schiere Größe des knapp 20 000 Quadratmeter großen Sportzentrums, das gerade für die Spieler mit Entwicklungspotenzial ganz andere Trainingsumfänge ermöglicht. „Am Orange Campus findest du immer einen Korb, an dem du arbeiten kannst“, sagt Philipps, der früher auch mal auf eine freie Hallenzeit warten musste.

Dabei dürfte sich so mancher Spieler auf dem Maincourt permanent beobachtet vorkommen. Unzählige Kameras können jede Bewegung der Spieler aufzeichnen und sie in ein Videoanalyse-Tool speisen, das dann mit allerhand Pfeilen und Grafiken veranschaulicht, was gut und was nicht so gut läuft im Spiel.

Dass die Finanzierung des Orange Campus ein Kraftakt für Verein, Kommunen und Sponsoren war, davon zeugt die „We-are-One“-Tafel im Foyer des Bürokomplexes. Jede Kachel ist mit Gönnern beschriftet, die für den Bau des Basketball-Mekkas etwas springen ließen. „Darauf sind wir besonders stolz“, sagt Andreas Oettel, Vorsitzender von BBU'01.

Dieser Stolz kommt auch in den Glaubenssätzen rüber, die auf den Säulen im Erdgeschoss unter Schlagworten wie „Entwicklungshungrig“, Begeisternd“ und „Schwäbisch“ stehen. „Langfristig traue ich uns zu, dass wir in Ulm NBA-Spieler ausbilden“, hatte der Geschäftsführer des Basketball-Bundesligisten Ratiopharm Ulm, Thomas Stoll seine Vision vor zwei Jahren beschrieben. Wenn der Orange Campus erst einmal vollständig mit Leben gefüllt ist, kann auch aus diesem Glaubenssatz bald Realität werden.
© Südwest Presse 12.08.2020 07:45
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