Der Profifußball gibt sich kämpferisch

Die Absage der Politik für die zeitnahe Zulassung von Zuschauern im Stadion stachelt die Verantwortlichen noch mehr an. Zeit für neue Konzepte ist genug.
  • Trostlos: So verwaist wie um DFB-Präsident Fritz Keller herum sehen die Plätze in den Fußballstadien fast überall aus. Foto: Uli Deck/dpa
Die befürchtete Botschaft aus Berlin entfachte in der Zentrale der Deutschen Fußball Liga (DFL) nur noch zusätzlichen Ehrgeiz. Na klar, „höchste Priorität“ habe selbstverständlich weiter die „Eindämmung des Coronavirus“, erklärte die DFL am Dienstag. Allerdings sollte es „in allen Lebensbereichen das Ziel sein, eine Rückkehr in Richtung Normalität anzustreben“ – schrittweise und der jeweiligen Lage angemessen.

Deshalb wird die DFL ihre Bemühungen um die Wiederzulassung von Zuschauern in den Bundesliga-Stadien fortsetzen, Bayern Münchens Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hofft trotz der vorläufigen Absage der Politik gar weiterhin auf eine zeitnahe Rückkehr der Fans. „Ich kenne das Konzept von A bis Z“, sagte er bei der Begehung der im Bau befindlichen FC Bayern Welt unbeirrt: „Es gibt schon eine gewisse Chance.“

Am Montag waren die vagen Hoffnungen auf gut besetzte Ränge zum Saisonstart am 18. September aber vorerst auf ein Minimum gesunken. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie dessen Kollegen der Bundesländer hatten sich relativ deutlich gegen die Pläne der DFL ausgesprochen und Feinjustierungen gefordert.

Die seien unter anderem nötig, weil „die Risiken bei An- und Abreise zu Spielen ohne Lösungsvorschlag“ blieben, hieß es in einer Mitteilung nach den Beratungen der Gesundheitsministerkonferenz (GMK). Zudem sei es problematisch, dass „die nähere Ausgestaltung vor Ort den jeweiligen Gesundheitsämtern überlassen“ werde, da die ohnehin schon genug zu erledigen haben. DFB-Präsident Fritz Keller hatte zuletzt die Idee von Massen-Präventivtests für Stadionbesucher ins Spiel gebracht – auch davon hielten die zuständigen Minister allerdings wenig.

Auch Nationalelf betroffen

Sollten tatsächlich bis zum 31. Oktober Geisterspiele stattfinden, wären davon nicht nur die ersten sechs Spieltage in der Bundesliga und 2. Liga betroffen. Auch die erste Runde im DFB-Pokal sowie drei Partien der DFB-Auswahl gegen Spanien (3. September), die Türkei (7. Oktober) und die Schweiz (13. Oktober) fänden vor leeren Rängen statt.

Umstimmen, das war schon vor der Stellungnahme klar gewesen, will die DFL die Politiker keinesfalls. „Wir werden die Entscheidungen der Politik akzeptieren. Niemand bei der DFL wird eine bestimmte Zuschauerzahl fordern.“, hatte DFL-Boss Christian Seifert bereits in der vergangenen Woche gesagt.

Viel Zuspruch von den Klubs

Zumal dies der DFL in Sachen Reputation mehr schaden als nutzen würde. Bislang fand die eher zurückhaltende und demütige Taktik großen Anklang. Freiburgs Trainer Christian Streich attestierte der DFL eine „brutal gute Arbeit, die total vernünftig und sensibel“ sei, „Wir teilen die Position der DFL: Die Gesundheit der Bevölkerung hat auch für uns oberste Priorität“, sagte auch der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart, Thomas Hitzlsperger, und betonte: „Wir werden weiter in enger Abstimmung mit den Behörden auf den Tag hinarbeiten, an dem wir wieder Zuschauer in der Mercedes-Benz Arena empfangen dürfen.“

Die organisierte Fanszene brachte ebenfalls Verständnis für die Entscheidung auf, man wolle schließlich „keine Sonderrolle für den Fußball beanspruchen“, teilte das Bündnis „Unsere Kurve“ mit und warb bei der DFL um einen intensiven Dialog: „Wir wünschen uns, dass Verbände und Vereine die Zeit nutzen, in den Dialog mit Fan- und Mitgliedervertretungen zu gehen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, die von möglichst vielen getragen werden können. sid
© Südwest Presse 12.08.2020 07:45
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